Kommentiert: Rettet die Bienen, aber nicht so!

Kommentiert: Rettet die Bienen, aber nicht so!

Eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten hat sich am Freitag für ein Verbot von drei Insektiziden aus der Gruppe der Neo­nikotinoide ausgesprochen.

Die Mittel stehen im Verdacht, giftig für Bienen und andere nützliche Bestäuberinsekten zu sein. Doch so einfach es zunächst ist, in einem Ausschuss ein Verbot auszusprechen — die Umsetzung ist es nicht. Alternativen zu den verbotenen Insektiziden existieren entweder nicht oder sind noch weitaus giftiger oder unerforschter.

Ein Verbot bedeutet nun, dass Lösungen — bestenfalls weniger schädliche Mittel — entwickelt werden müssen, und zwar schnell. Doch Forschung braucht Zeit und Geld. Die Europäische Union sollte also schleunigst entsprechende Fördermittel ausschreiben, die es möglich machen, Alternativen zu finden.

Solange es die nicht gibt, bedeutet ein Komplettverzicht auf potentiell giftige Pflanzenschutzmittel einen dramatischen Rückgang der Ernteerträge. Die logische Folge sind steigende Lebensmittelpreise. Glyphosat, Neonikotinoide und Co. sind das Ergebnis einer Agrarwirtschaft, die die Gewinnmaximierung im Blick hat. Je unbehelligter die Ertragspflanze gedeihen kann, desto mehr Früchte produziert sie.

Wer kann einem Landwirt, einem lupenreinen Unternehmer, dieses Vorgehen verdenken? Natürlich kann Landwirten nicht daran gelegen sein, Bienen auszurotten. Im Obst- und Gemüseanbau sind sie auf die Bestäubung durch Insekten dringend angewiesen. Französische Forscher haben ausgerechnet, dass Bienen weltweit eine Wertschöpfung von bis zu 200 Milliarden Euro im Jahr erwirtschaften.

Der dramatische Rückgang der Artenvielfalt in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ist also ein ernstzunehmendes Problem und muss aufgehalten werden — keine Frage. Allerdings trägt jeder einzelne durch die zunehmende Verstädterung und Flächenversiegelung dazu bei, vielen Tieren die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Ein vorschnelles Verbot von Insektiziden in der Landwirtschaft kann also nicht die einzige Maßnahme sein.

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