Kommentiert: Profit mit Randale?

Kommentiert: Profit mit Randale?

Man darf das wohl ohne Übertreibung ein Kuriosum nennen: Da scheffelt ein hochprofitables Unternehmen wie die Deutsche Fußballliga Woche für Woche Millionen — und die Bürger sorgen mit ihren Steuergeldern dafür, dass die Vereine ungestört von Chaoten ihren Reichtum mehren können.

Sage und schreibe 570.000 Arbeitsstunden verzeichnete allein die NRW-Polizei in der vergangenen Saison rund um den Fußball. Arbeit, die wie selbstverständlich von der Allgemeinheit getragen wird. Warum? Seit dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Bremen haben die Verfechter dieser Gratis-Mentalität ein dickes Problem.

Fußball sei ein Kulturgut, behaupten sie, die im Umfeld oft herrschende Gewalt hingegen bloß ein „gesellschaftliches Phänomen“. Randale wird dort demzufolge als Jugendkultur zelebriert. Deshalb müsse die Gesellschaft für Kosten aufkommen, die von den als „Fans“ getarnten Schlägern und Chaoten verursacht würden. Was für eine absurde Argumentation!

Fakt ist: Der Fußball hat nach wie vor ein ungelöstes Gewaltproblem. Und es darf bezweifelt werden, dass die Anstrengungen der Liga bereits ausreichen. Natürlich investieren die Vereine längst in Fan-Projekte. In und um die Stadien sorgen eigene Sicherheitsdienste für Ruhe. Ohne Polizisten, die ihre Knochen hinhalten, rund um „Hochrisikospiele“ für Sicherheit in den Innenstädten und an Bahnhöfen sorgen, wäre das Milliardengeschäft Fußball aber längst am Ende. Deshalb ist es überfällig, dass sich die Profiteure auch an den Kosten, die sie verursachen, beteiligen: Die Fußballspiele seien auch aufgrund der Sicherheitsleistungen der Polizei wirtschaftlich erfolgreich, heißt es dazu in der Urteilsbegründung.

Ginge es nicht um Fußball, sondern zum Beispiel um Rockkonzerte oder ähnliche Veranstaltungen, dann würde vermutlich nicht lange gefackelt: „Wer die Musik bestellt, der muss auch zahlen!“, hieße es dann. Erstaunlicherweise gibt es aber kaum Berichte über Schlägereien unter Besuchern von Rockkonzerten. Oder über angetrunkene Karnevalisten, die sich zum fröhlichen Raufhändel nach dem Umzug verabreden. Immer wieder sind es selbsternannte Fans, die für Schlagzeilen sorgen.

Der Nervenkitzel beim Derby

Angesichts dieser offenbar inneren Verbindung von Fußball und Gewalt reicht es nicht, wenn sich der DFB mal wieder lapidar über das Urteil empört und feststellt, es handele sich nur um Gewalttäter, die die „Plattform des Fußballs“ ausnutzten. Gerade von den als „Hochrisikospielen“ eingeschätzten Derbys bezieht der Fußball für viele Fans doch einen großen Reiz. Das beginnt beim aggressiven, kriegerischen Vokabular vieler Kommentatoren und endet dann eben bei der Schlägerei am Bahnhof.

Wer sein Geld mit diesem Nervenkitzel verdient, der soll gefälligst die Rechnung der Polizei bezahlen! Und härter daran arbeiten, dass dieser Sport künftig ohne Aggressionen auskommt.

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