Kommentiert: Pfeiler der Demokratie

Kommentiert: Pfeiler der Demokratie

Natürlich gibt der öffentlich-rechtliche Rundfunk immer wieder reichlich Anlass, über ihn zu lästern. Ja, in der sogenannten „Primetime“ wird dem Fernsehzuschauer häufig fade Serien-Kost vorgesetzt.

Ja, während der besten Sendezeit beschränkt sich die politische Information oft auf schrille Talkshows mit geringem Erkenntniswert. Ja, guter Journalismus und beeindruckende Dokumentationen werden häufig auf Sendeplätze verbannt, an denen die halbe Republik bereits im Bett liegt. Und natürlich lässt sich auch darüber streiten, ob der parteipolitische Einfluss auf die Gremien der öffentlich-rechtlichen Anstalten zu groß ist.

ARD und ZDF müssen sicherlich deutlich innovativer, mutiger, frecher und vielleicht auch pluralistischer werden. Doch bei aller Kritik: Schütten wir das Kind nicht dem Bade aus! Stellen wir das öffentlich-rechtliche System nicht grundsätzlich in Frage! Wehren wir Versuche ab, es durch ständige Kürzungsdiskussionen zu schwächen! Denn was ist die Alternative? Will tatsächlich jemand ernsthaft behaupten, private Sender wie Sat1, RTL oder ProSieben würden heute oder in Zukunft ein qualitativ besseres Programm bieten?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen Bildungsauftrag. Er soll das Forum für eine breite, unabhängige, öffentliche Debatte sein. Dazu ist er besser geeignet als private Sendeanstalten. Denn hier haben nicht Investorengruppen oder gar einzelne Medienmogule wie in Italien oder der Schweiz mit ihren kommerziellen (und manchmal auch politischen) Interessen das letzte Wort.

Bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten sitzen Vertreter diverser gesellschaftlicher Gruppen mit an den Regiepulten. Zumindest im Grundsatz gibt es dort demokratische Strukturen, die eine große Meinungsvielfalt in den Programmen garantieren sollen. Dass diese Gremien von den beiden größten Parteien dominiert werden, steht auf einem anderen Blatt, ist ein Ärgernis und muss rückgängig gemacht werden.

Doch das ändert nichts daran, dass die öffentlich-rechtlichen Medien eigentlich der Gesellschaft gehören, die in ihnen ihre Debatten austragen können sollte.

Attraktiv bleiben

Gesellschaftliche Debatten sind jedoch nur gute Debatten, wenn sie viele Menschen erreichen. Deshalb liegen alle falsch, die von ARD und ZDF fordern, mit weniger Gebühren zufrieden zu sein und sich ganz auf ihren Bildungsauftrag zu konzentrieren.

Ein kopflastiger Minderheitensender mag Intellektuelle befriedigen. Aber er ist in seinem Wirkungsradius beschränkt. Deshalb müssen ARD und ZDF auch auf Unterhaltung setzen. Nur so bleiben sie für ein breites Publikum attraktiv. Nur so können sie weiterhin Millionen Menschen an sich binden und damit ihre Rolle als zentraler Platz der unabhängigen Information und der demokratischen Meinungsbildung ausfüllen.

Das ist umso wichtiger, weil im Zeitungsbereich derzeit ein starker Konzentrationsprozesse zu beobachten ist. Gleichzeitig beziehen immer mehr Menschen „Informationen“ fast ausschließlich aus ihrer Internetblase. Sie bekommen von Quasi-Monopolisten wie Facebook, Google oder YouTube vor allem das vorgesetzt, was ihr Weltbild bestätigt, einschließlich wilder Fake-News.

Für die Demokratie ist das höchst gefährlich. Sie ist auf möglichst viele unabhängige Zeitungen und elektronische Medien angewiesen. Starke und finanziell gut ausgestattete öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten sind dabei von wachsender Bedeutung — trotz aller berechtigten Kritik an ihnen, trotz allen Reformbedarfs.