Kommentiert: Nobel und nicht nobel

Kommentiert: Nobel und nicht nobel

Nobel kommt nicht von Alfred Nobel, dem Stifter der nach ihm benannten Preise; aber nobel — also edel und niveauvoll — sind diese Auszeichnungen durchaus. Nobel geht es seit jeher auch in jenen erlauchten Gremien zu, die über die Laureaten zu entscheiden haben. Für die Schwedische Akademie, die für den Literaturnobelpreis zuständig ist, gilt das seit einigen Monaten nicht mehr.

Sie wird von einem Skandal erschüttert, der bereits zu zahlreichen Rücktritten von Jurymitgliedern geführt hat.

Die Entscheidung der Akademie, den unter Schriftstellern international begehrtesten Preis in diesem Jahr nicht zu vergeben, ist unvermeidlich und folgerichtig: Wer nicht mehr genügend Juroren hat, kann sowieso keinen Preisträger auswählen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Schlagzeilen über sexuelle Verfehlungen die öffentliche Resonanz auf einen neuen Preisträger überschatten.

Der Preis selbst wird durch die Affäre aber nicht in Mitleidenschaft gezogen. Trotzdem erklärt die Akademie: „Das Ansehen des Literaturnobelpreises hat großen Schaden genommen.“ Das ist Unsinn.

Wenn der Ehemann einer Jurorin Frauen belästigt, gar einen royalen Popo angefasst hat, wenn Akademiemitglieder der Korruption verdächtigt werden, kann das alles doch nicht den Literaturnobelpreis an sich beeinträchtigen. Schwer vorstellbar, dass sich Dario Fo, Bob Dylan, Herta Müller oder Kazuo Ishiguro diesbezüglich Sorgen machen.

Die Akademie muss jetzt aufräumen und die Vorwürfe restlos aufklären. Am Ende ergibt die ganze Affäre womöglich einen guten Stoff für einen Roman. Ob der nobelpreiswürdig wäre, müsste sich erweisen.

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