Kommentiert: Nintendos neuer Erfolg, der hoffentlich nicht (nur) von Pappe ist

Kommentiert: Nintendos neuer Erfolg, der hoffentlich nicht (nur) von Pappe ist

Super Mario hat das Eis gebrochen. Seit Ende 2016 läuft der italienische Klempner mit Schnurrbart und Latzhose auf zahlreichen Smartphone-Displays herum. Und zwar von allein. Anders als auf den Nintendo-eigenen Konsolen besteht die einzige Aufgabe des Spielers darin, auf das Display zu tippen, um Mario springen zu lassen.

Und bis spätestens März 2019 legen die Japaner mit einer Mario-Kart-Version fürs Smartphone nach.

Zuvor hatte sich Nintendo konsequent geweigert, die hauseigenen Helden auf die Smartphones zu bringen. Ob Link und seine Prinzessin Zelda oder eben die Kultfigur Mario mit Bruder Luigi und Prinzessin Peach — über Jahrzehnte konnten die Spiele nur auf den Nintendo-Konsolen gespielt werden. Die Konkurrenz vonseiten des App-Markts hat das Traditionsunternehmen offenbar umdenken lassen.

Ob die App Spaß macht? Kann schon sein. Der Schreiberin dieses Textes ist die Faszination für Smartphone-Spiele jedoch bisher verborgen geblieben. Sie rät daher, in größeren Dimensionen zu denken. Die verschiedenen Apps haben dem japanischen Unternehmen nämlich generell ein Umsatzplus beschert, das es gut gebrauchen konnte. Nach der Wii U sah es gar nicht gut aus. Statt der geplanten 100 Millionen Geräte wurden noch nicht einmal 14 Millionen verkauft. Rote Zahlen, Aktieneinbrüche.

Wenn Apps also helfen — schön für Nintendo, und daher auch schön für die Konsolen-Fans. Denn: Ohne Nintendo keine Peach mehr, die gerettet werden möchte, und kein Link, mit dem sich der Spieler an den Rätseln die Zähne ausbeißen kann. Die Apps sind aber nicht der einzige Grund, warum es besser läuft. Der andere, bedeutendere Grund heißt Nintendo Switch.

Im Gegensatz zum Vorgänger verkauft sich die aktuelle Konsole nämlich richtig gut. Nach nicht einmal zehn Monaten hat sie die Wii U, die seit 2012 auf dem Markt ist, bei den Absatzzahlen überholt. Und weil’s eben so gut läuft, möchte das Unternehmen anscheinend weiter auf der Erfolgswelle reiten. Und zwar mit Pappe. Ja, richtig gelesen: Ab April verkauft das Unternehmen eine Art Bastel-Kit, das die Konsole erweitern soll. „Nintendo Labo“ heißt es.

Mit vorgestanzten Bögen aus Pappe und ein paar Kunststoffextras sollen verschiedene Gegenstände selbst gebastelt werden können — zum Beispiel ein Klavier. Laut Beschreibung steckt man die Konsole dann in besagtes Papp-Klavier und kann mit Hilfe der Papp-Tasten und einigen verbauten Elementen echte Töne erzeugen. Klingt vielleicht ein bisschen komisch, kann aber bestimmt lustig werden. Nicht lustig ist der Preis: Sagenhafte 70 US-Dollar möchte Nintendo für die Pappkartons haben.

Sehr wohl lustig ist wiederum diese Anekdote dazu: Bei der obligatorischen Prüfung der Alterseinstufung hielt eine Reinigungskraft die herumstehenden Kartons vom „Nintendo Labo“ anscheinend für Müll — und war drauf und dran, das neue Nintendo-Add-On einfach wegzuschmeißen. Übrigens: Für schlappe 15 Dollar mehr können die Kreativen noch ein „Design-Paket“ erstehen und das Papp-Klavier individuell mit „lustigen Schablonen, Stickern und farbigen Klebebändern“ verzieren.

Natürlich erst, nachdem man es selbst aufgebaut hat: Bis zu drei Stunden soll das dauern. Nichts für schwache Nerven. Im Vergleich dazu klingt die Super-Mario-App fürs Smartphone für relativ überschaubare zehn Euro irgendwie gleich doch ein bisschen besser.

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