Kommentiert: Liebe, Lust und Datenschutz

Kommentiert: Liebe, Lust und Datenschutz

Valentinstag, der Tag, an dem sich viele Singles noch einsamer fühlen als sonst, ist gerade vorbei — der perfekte Zeitpunkt, um sich bei einer der zahllosen Dating-Apps anzumelden und die Einsamkeit endlich hinter sich zu lassen, oder? Besser nicht, wenn dem verzweifelt Suchenden der Schutz der persönlichen Daten wichtig ist.

Stiftung Warentest kommt im aktuellen Heft 3/2018 zu dem Fazit, dass nur fünf der 44 untersuchten Dating-Apps die Daten akzeptabel schützen. Die meisten verraten zu viel an Dritte.

Doch anonym lässt sich nur schwer ein Partner finden. Die Online-Partnersuche basiert darauf, möglichst aussagekräftige Informationen preiszugeben: sexuelle Vorlieben, Alter, Wohnort, Hobbys und vieles mehr. Ein gefundenes Fressen für kommerzielle Datensammler. Auch was in persönlichen Chats, vermeintlich privat, ausgetauscht wird, liegt auf den Servern der Anbieter.

Vor allem die auf homosexuelle Männer ausgerichtete App Grindr kann sogar zu einem gefährlichen Unterfangen werden — wenn man sie in einem schwulenfeindlichen Land benutzt. Schon beim ersten Start sendet die App Standortdaten. Laut Stiftung Warentest will Amnesty International herausgefunden haben, dass ägyptische Behörden Dating-Apps wie Grindr nutzen, um Homosexuelle ausfindig zu machen und zu verhaften.

Die Tester haben sich das Datensendeverhalten der iOS- und Android-Apps angesehen, ebenso die zugehörige Datenschutzerklärung. Das Ergebnis: Nur die App „Bildkontakte“ stufen sie in beiden Varianten als unkritisch ein. Für Android sind außerdem noch eDarling, Neu.de und Lovescout24 aus Datenschutzsicht akzeptabel.

Alle anderen Apps, darunter auch bekannte Namen wie Elite-Partner, Par­ship oder Tinder, zeigen erhebliche Schwächen. Sie verraten Daten, die für ihre Nutzung unnötig sind. „Selbst wenn der Nutzer in der Datenschutzerklärung nachlesen will, wie der Anbieter seine persönlichen Informationen behandelt, findet er nur schwammige Hinweise“, heißt es im Test.

Wer Wert auf Datenschutz legt, aber trotzdem in der Online-Welt auf Partnersuche gehen will, sollte also vorsichtig sein mit den Informationen, die er über sich preisgibt. Und am schönsten ist es ja ohnehin, sich persönlich kennenzulernen — warum also lange chatten?

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