Kommentiert: Keine Quälerei

Kommentiert: Keine Quälerei

Als Abgas-Laie hat man wahrlich Probleme, sich eine Meinung über Fluch und Segen von Umweltzonen zu bilden. Über die Wirkung streiten die Experten nach Kräften, wie man am Beispiel Aachen seit Jahren mitverfolgen kann.

Es sind auf der einen Seite die Umweltverbände und die Landesumweltbehörde, die seit langem auf eine grüne Plakettenpflicht in der Stadt drängen. Auf der anderen Seite stehen städtische Verwaltung, Wirtschaftsverbände und Ratspolitiker, die das ebenso vehement als unsinnig zurückweisen.

Zwischen den Fronten steht eine Bevölkerung, die sicherlich ganz gerne gesunde und saubere Luft atmet, die aber mindestens ebenso gerne viele Wege bequem im Auto zurücklegt. Dass dies trotz der vielen Umweltzonen im Land für die allermeisten Menschen weiterhin problemlos möglich ist, liegt eben auch daran, dass die weit überwiegende Zahl der Autos längst die Kriterien für eine grüne Plakette erfüllt.

Dass sich die Aachener dennoch so schwer mit der nun geplanten Umweltzone tun, ist vor allem der Grenzlage geschuldet. Die Sorge ist groß, dass sich Niederländer und Belgier künftig abgeschreckt fühlen könnten. Insofern ist der Ärger verständlich, den der Aachener Oberbürgermeister über die gestrige Entscheidung der Bezirksregierung zeigte. Er muss sich allerdings auch vorhalten lassen, die Entwicklung unterschätzt zu haben. Die EU-Grenzwerte gelten ja nicht erst seit gestern.

Die Stadt mag sich zwar mit einem seit 2009 geltenden Luftreinhalteplan brüsten, Fakt ist jedoch auch, dass die Zahl der Autos und der Verkehr weiter gewachsen ist. Kein Wunder, wenn die Förderung des Radverkehrs nur halbherzig erfolgt, wenn weiterhin Parkhäuser in Zentrumsnähe gebaut werden, wenn Autos in der Köpfen der Verkehrsplaner immer noch Vorrang haben, die Busse vielfach überfüllt sind und ein moderner Schienennahverkehr dann auch noch an den Einwänden der Bevölkerung scheitert.

Es ist diese Gemengelage, in der die Luftqualität im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder kommt. Die Umweltzone ist nicht das Allheilmittel, wie auch ihre Befürworter wissen, aber sie lässt die Stadtbewohner vielleicht doch ein bisschen aufatmen. Sie sollte daher nicht als Quälerei, sondern als Erleichterung empfunden werden.

Und wenn sich jetzt auch noch Bund und Land durchringen könnten, die klammen Kommunen bei der Anschaffung sauberer Fahrzeugflotten zu unterstützen, wäre noch etwas mehr gewonnen.

Mehr von Aachener Nachrichten