Kommentiert: Intransparenz macht angreifbar

Kommentiert: Intransparenz macht angreifbar

Die Diskussion um die Auftragsforschung für das Pentagon platzt mitten in einen Streit der Universitäten mit der NRW-Wissenschaftsministerin.

Die hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem Unis verpflichtet werden sollen, Rechenschaft über ihre Drittmittel abzulegen. Zu sagen, woher überhaupt Geld kommt, ist vielleicht kein so großes Problem.

Doch preiszugeben, welchen Auftrag die Uni bearbeitet, das kann ernsthaft niemand wollen, der die Hochschulen nicht von den praktischen Problemen, die sich in der Wirtschaft stellen, abkoppeln will. Jeder Autobauer wird sich sehr schnell ein anderes Forschungsinstitut suchen, das der Veröffentlichungspflicht nicht unterliegt, wenn die RWTH Aachen etwa dem Konkurrenten das neueste Entwicklungsziel auf dem Silbertablett präsentieren muss.

Der Rektor will nun die Debatte um die US-Forschungsgelder dazu nutzen, der Ministerin zu zeigen, wie man mit Auftraggebern umgehen muss, wenn man sie nicht verlieren will. Man mag ihm wünschen, dass seine Taktik aufgeht — was die Autobauer angeht.

Doch im Fall des Pentagons könnte sein Schweigen nach hinten losgehen. Denn wenn er das Prinzip des Schweigens nicht einmal dann bricht, wenn der Auftraggeber die Angaben bereits veröffentlicht hat, schürt er Misstrauen. Er setzt die Forscher dem Verdacht aus, dass sie sich außerhalb des ethisch Vertretbaren bewegen. Intransparenz ist keine gute Angriffsstrategie. Sie macht angreifbar.