Kommentiert: Eine schöne Aufgabe

Kommentiert: Eine schöne Aufgabe

Was steckt hinter dieser Situation? Die Landarztpraxen finden keine Nachfolger mehr, in manchen Regionen gibt es bereits Ärztemangel. Liegt es am Geld? Am Landleben, das früher sicherlich weit strapaziöser und einsamer war als heute?

Das wäre zu kurz gedacht. Es ist ja durchaus angenehm, wenn etwa in Bayern Haus- und Fachärzte eine Förderung in Höhe von bis zu 60.000 Euro erhalten können, falls sie sich in einer Gemeinde mit weniger als 20.000 Einwohnern niederlassen. Aber kann man damit gleichzeitig die Liebe zur Berufssituation steigern? Die Gründung Medizinischer Versorgungszentren, bei denen die Ärzte einer Region mit einem Krankenhaus zusammenarbeiten, ist zumindest für den Erhalt einer professionellen Versorgung eine akzeptable Lösung. Aber kein Ersatz.

Stipendienprogramme für Medizinstudenten sind gar nicht so schlecht — die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt zahlt zukünftigen Landärzten sogar ein Studium an der Privatuni Witten/Herdecke. Doch ob sie nach den zehn zugesagten Landjahren dort bleiben, ist nicht sicher.

Landarzt und Landärztin haben heutzutage nicht mehr das Image, das sie einmal ausgezeichnet hat. Wer sich ein paar Folgen einer TV-Serie wie „Der Landarzt“ genau angeschaut hat, denkt vielleicht: „romantische Unterhaltung“.

Aber die bunten Bilder enthalten tatsächlich Sehnsüchte und Ängste, die eine zunehmend ältere, kränkere, einsamere und häufig schweigende Bevölkerung bewegen. Der Arzt als tröstender Ansprechpartner, der Familien und Familienprobleme kennt, der ins Haus kommt, wenn es schlimm wird, der Sterbende und deren Angehörige begleitet — viele Medizinstudenten sind sich gar nicht richtig bewusst, wie viel das mit Ethik, Menschenwürde und sozialer Hinwendung zu tun hat.

Allein zusätzliche Studienplätze genügen da nicht. Und man kann ja zudem keinen angehenden Studenten mit einer verpflichtenden „Landarztquote“ bedrängen. Was werden das für Ärzte? In der Lehre stecken weit mehr Möglichkeiten. Etwa die Hinführung — vielleicht im Stipendienprogramm — vom „Fach“ zur Aufgabe, die bei aller Anstrengung auf Dauer Freude und ein erfülltes Berufsleben bedeuten kann. Und wenn man dann sogar noch auf Förderung und auf Erleichterungen im Papierkrieg mit den Krankenkassen hoffen kann — prima.

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