Kommentiert: Eine Demütigung

Kommentiert: Eine Demütigung

Man hat sich über die Jahre an viele Absurditäten bei G7-Gipfeln gewöhnt. An Bilder von Krawallen und staatlicher Allmacht, von Bombast, Dekadenz und geheuchelter Freundschaft. Doch der Gipfel in Kanada verspricht zur Bühne eines an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbietenden Schauspiels zu werden.

Was soll ein solcher Gipfel, der doch lediglich den Zusammenhalt der westlichen Welt de­monstrieren will, wenn der Hauptdarsteller alles dafür tut, eben diesen Zusammenhalt zu sprengen? Um es klar zu sagen: Nach der faktischen (Handels-)Kriegserklärung durch Donald Trump hätten Europäer und Kanadier diesen Gipfel absagen müssen. Nun kann es nur noch um Schadensbegrenzung gehen.

Charmeoffensiven nützen nichts

Denn der Horrorclown aus dem Weißen Haus wird alles daran setzen, die früheren Partner auch bei dieser Gelegenheit weiter zu übertrumpfen — das hat er am Donnerstag in aggressiver Tonart angekündigt. Was hat sich Emanuel Macron bei seinem Besuch in Washington nicht an Trump rangeschmissen! Gebracht hat seine Charmeoffensive an der Grenze zur Peinlichkeit: nichts.

Der Milliardär verwechselt Freundlichkeit mit Schwäche, er hält Welt- und Handelspolitik bloß für ein Spiel mit leicht erhöhtem Einsatz. Die distanzierte und kühle Herangehensweise der deutschen Bundeskanzlerin ist in diesem Fall der einzig würdevolle Weg im Umgang mit dem Egomanen.

Wenn von diesem Gipfel ein Signal ausgehen soll, dann darf es nicht das der Einigkeit sein — das wäre eine Farce. Es reicht auch nicht, wenn am Ende keine gemeinsame Erklärung zustande kommt; die interessiert ohnehin kaum jemanden. G7-Gipfel leben von den Bildern, die die wichtigen Botschaften transportieren. Sie bleiben jahrelang im Gedächtnis — wie zum Beispiel jene von Angela Merkel und Barack Obama vor Alpenkulisse in Elmau (2015) oder das legendäre „Familienfoto“ im überdimensionierten Strandkorb in Heiligendamm an der Ostsee (2007). Man mag diese Inszenierungen infrage stellen, doch sie hatten tatsächlich eine beruhigende Wirkung: Seht her, zumindest im Westen ist die Welt noch in Ordnung!

Inzwischen ist die vermeintlich heile Welt aus den Fugen geraten — nicht zuletzt dank Trump. Es wäre nur konsequent, wenn sich das auch in den Bildern dieses Gipfels ausdrücken würde. Ein Gruppenfoto mit Trump, dem Boss? Darauf könnten Europäer und Kanadier getrost verzichten. Vermutlich haben sie aber nicht den Mut, sich der Demütigung zu widersetzen.

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