Kommentiert: Eine 6 für die Politik

Kommentiert: Eine 6 für die Politik

Der Pflege-TÜV ist gescheitert. Was für eine Erkenntnis, schon jetzt, sechseinhalb Jahre nach Einführung des Gesetzes zur Transparenz von Pflegeeinrichtungen.

Sicher, Ironie bietet keine Antworten und im Nachhinein ist man immer klüger, doch diese Bruchlandung war absehbar. Die Qualität eines Pflegeheims lässt sich nicht in einer einfachen Schulnote zum Ausdruck bringen, sagt der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann. Das hätte man bereits vor der Einführung des Benotungssystems wissen können.

Schon zum Start hatte man sich gewundert, wie gut die Pflegeheime in Deutschland dastehen. Bestnoten allenthalben, von Problemen keine Spur. Nur hier und da gab es Ausreißer. Die aber nur, weil die Verantwortlichen vor Ort den Papierwust, anhand derer die Prüfkriterien bewertet wurden, noch nicht durchschaut hatten. Mittlerweile haben alle verstanden. Die Durchschnittsnote von 1,3 in NRW ist keineswegs Ausdruck für gute Pflege, sondern für die deutsche Gründlichkeit im Umgang mit der Bürokratie. Was für eine Verschwendung von Zeit, Geld und nicht zuletzt Arbeitsressourcen, die man sicherlich hätte sinnvoller einsetzen können - zum Beispiel in der Pflege, der Betreuung und der Fürsorge der Alten und Pflegebedürftigen.

Und jetzt? Machen wir die Prüfanstalten einfach zu? Die Veröffentlichung der Pflegenoten soll ausgesetzt werden, fordert Laumann. Unabhängige Wissenschaftler sollen jetzt „klare und transparente“ Kriterien für die Überprüfung von Heimen entwickeln, sagt er. Das klingt nicht nur so, als habe Laumann keinen Plan B, es ist tatsächlich eine Bankrotterklärung der politisch Verantwortlichen. Denn es müsste längst eine Alternative in der Schublade liegen. Transparenz in der Pflege bleibt wichtig, sie ist keineswegs Selbstzweck. Das System zur Betreuung von Schwachen und Alten braucht dringend eine externe Kontrolle, um Qualität zu gewährleisten. Ob externe Wissenschaftler den Schlüssel finden, bleibt abzuwarten.

Vielleicht fragt man ja mal das Pflegepersonal, was denn alles wichtig ist, um Standards zu halten, die Pflege vielleicht sogar zu verbessern. Nein, nicht die Verbandsoberen oder die Lobbyisten, die sich um Image und Finanzierung sorgen. Sondern die Pflegerinnen und Pfleger vor Ort. Die allermeisten von ihnen sind Experten, engagiert und professionell in dem, was sie jeden Tag leisten. Vielleicht lässt sich so ein Kontrollsystem mit weniger Bürokratie, weniger Inanspruchnahme des Pflegepersonals einrichten, so dass die Menschen vor Ort wieder mehr Zeit haben, sich ihren eigentlichen Aufgaben zu widmen.

Festzuhalten gilt jedenfalls dies: Das bisherige politische Handeln der Verantwortlichen war ungenügend, Note 6. Manchmal lässt sich wenigstens das ganz einfach in Schulnoten ausdrücken.

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