Kommentiert: Die Kröte Groko

Kommentiert: Die Kröte Groko

Zumindest in einem Punkt dürften in Niedersachsen am Tag danach sich alle einig sein: glücklich macht dieses Ergebnis niemanden.

Beim Sieger SPD ist die Freude über ihre Wiederauferstehung zügig der ernüchternden Erkenntnis gewichen, dass, da es für Rot-Grün nun einmal nicht reicht, Regierungsverantwortung in den nächsten vier Jahren nur um den Preis eines ungeliebten Partners zu haben ist. Und der heißt nach dem Stand der Dinge CDU.

Für eine mögliche Ampel in Hannover hat die FDP bereits den Stecker gezogen. Ziemlich flott und ziemlich forsch haben die Liberalen dieser Option den Geraus gemacht — man wolle nicht den „Steigbügelhalter“ für eine Fortsetzung von Rot-Grün geben. Das sagt ausgerechnet der Vertreter einer Partei, die nach der Bundestagswahl keinen Moment gezögert hat, mit der Union und eben diesen Grünen nach Jamaika aufzubrechen.

Eine solche Verweigerungshaltung ist nicht nur denkbar schlechter Stil, sie ist auch ziemlich fadenscheinig. Glaubt denn außerhalb der FDP irgendwer, die inhaltlichen Gräben der niedersächsischen Landespolitik seien derart tief, dass man nicht einmal ernsthaft miteinander reden kann? Bleibt es dabei, muss Weil wohl oder übel die Kröte namens Groko schlucken. Leicht fallen wird ihm das nicht. Der unberechenbare Polterer Althusmann ist so ziemlich genau der Gegenentwurf zum biederen Kümmerer Weil.

Rot-Schwarz birgt die Gefahr, dass die durch einen erfrischend polarisierten Wahlkampf auf Normalmaß geschrumpfte AfD auf lange Sicht wieder Oberwasser bekommt. Und die politische Experimentierfreude hält sich in einer großen Koalition erfahrungsgemäß in überschaubaren Grenzen.

Und doch ist nicht alles schlecht daran. Große Forderungen werden die gerupften Christdemokraten in Koalitionsverhandlungen kaum stellen können, Weil und die SPD sitzen da am deutlich längeren Hebel, ein mögliches Regierungsprogramm trüge am Ende eine sozialdemokratische Handschrift.

Und mit einer Mehrheit von 105 Mandaten lässt es sich gegen eine schwache Opposition kommod regieren. Wie beruhigend so etwas sein kann, weiß Weil spätestens, seit ihm die grüne Überläuferin Elke Twesten die vorzeitige Neuwahl eingebrockt hat.

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