Kommentiert: Die Kraft des Sports

Kommentiert: Die Kraft des Sports

Die allerletzte Entscheidung bei Olympischen Spielen ist oft die schwierigste. Sie ist meist umstritten, weil sie nicht an Zeiten, Weiten oder Punkten festzumachen ist. Die allerletzte Entscheidung ist immer das Resümee: Wie waren die Olympischen Spiele?

Nach 17 Tagen Spektakel in Pyeongchang ist diese allerletzte Entscheidung nicht schwierig: Die Winterspiele waren ein Erfolg, ein großer sogar, trotz aller Makel — weil der Sport im Mittelpunkt stand. Natürlich hat der Dopingskandal rund um die russische Mannschaft die Großveranstaltung belastet, es hat auch in Südkorea vier Betrugsfälle gegeben, von denen zwei wieder mal aufs Konto der Russen gingen.

Natürlich sind die Kosten für Olympische Spiele zu hoch, natürlich muss über die Nachhaltigkeit von Sportstätten diskutiert werden, natürlich ist das Wettkampfprogramm aufgebläht. Aber während der 102 sportlichen Entscheidungen in Pyeongchang waren das nur Randaspekte, die in diesen Zeiten nun einmal zu solchen Spielen gehören wie die politische Dimension solcher Veranstaltungen.

Das, was wirklich zählt

Für das, was wirklich zählt, für die wahren Geschichten sorgten die Sportler. Mit ihren Triumphen und ihren Tränen. Mit ihren Siegen und ihrem Scheitern. Sie haben die Spiele in Südkorea zu dem gemacht, was sie immer sein sollten: ein sportliches Großereignis, bei denen ihre Leistungen im Fokus stehen und alles andere automatisch in den Hintergrund rückt.

Die Begeisterung für die Winterspiele war speziell in Deutschland riesig, was vor allem am sehr guten Abschneiden der deutschen Athleten lag. Es versteht sich, dass der, der sportlich erfolgreich ist, leichter Gefallen an den Umständen findet. 31 Medaillen, davon 13 goldene, die beste Bilanz seit der Wiedervereinigung. Die Menschen haben mitgefiebert, mitgelitten, mitgejubelt. Sie haben sich anstecken lassen. Weil der Sport immer noch eine verbindende Kraft hat.

Emotionen über Emotionen

Das hat sich zum Beispiel beim grandiosen Sieg der Eiskunstläufer Aljona Savchenko und Bruno Massot gezeigt, deren Kür so vielen Menschen ans Herz ging. Das hat sich auch bei den großartigen Auftritten der Eishockey-Nationalmannschaft gezeigt, die für unmöglich Gehaltenes plötzlich möglich machte. Oder an der achten Goldmedaille für die norwegische Langläuferin Marit Björgen, die jetzt die erfolgreichste Olympionikin aller Zeiten ist.

Diese Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen, auch mit angeblichen Verlierern. Die Zuschauer haben mit Rodler Felix Loch gelitten, der auf dem Weg zu Gold patzte. Sie haben sich mit US-Ski-Star Lindsey Vonn gefreut, die zwar nicht Gold aber zumindest Bronze bei ihren letzten Spielen holte. Auch wenn es eine abgedroschene Floskel ist: Solche Geschichten schreibt nur der Sport. Die Athleten vermögen es immer noch, Emotionen zu wecken wie es kaum ein anderer in dieser aus den Fugen zu geratenden Welt schafft.

Es ist ein gutes Zeichen, dass jetzt auch in Deutschland wieder laut darüber nachgedacht wird, sich für die Ausrichtung von Olympischen Spielen zu bewerben. Es ist schließlich Aufgabe der gesamten Sportwelt, die Makel weiter auszumerzen, Doping zu bestrafen, den Gigantismus zu stoppen. Einfach wieder „normal“ zu werden. Wer sollte das schaffen, wenn nicht der Sport?

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