Kommentiert: Die Hassprediger

Kommentiert: Die Hassprediger

Soll man der selbst ernannten „Alternative für Deutschland“ wirklich den Gefallen tun und über deren tägliche Entgleisungen und Provokationen berichten, sich entrüsten und an den gesunden Menschenverstand der Bevölkerung appellieren?

Oder sollte man diese Partei nicht besser ignorieren und erst dann über sie schreiben, wenn sie etwas Substanzielles zur politischen Debatte beizutragen hat? Mit anderen Worten: so gut wie überhaupt nicht? Diese Diskussion führen Redaktionen in Deutschland schon eine ganze Weile.

Inzwischen ist diese Debatte von der Realität überrollt worden. Denn die Ausfälle führender AfD-Politiker offenbaren ein derartiges Maß an geistig-moralischer Verkommenheit, dass das Verschweigen ihrer Aussagen keine Option mehr sein kann. Wer dies tut, macht sich am Ende mitschuldig und muss sich womöglich eines Tages von seinen Kindern und Enkeln fragen lassen: Warum habt Ihr nicht den Mund aufgemacht? Wie konntet Ihr das zulassen?

Rechtskonservative Kraft? Nein.

In den vergangenen Tagen hat die AfD ihr wahres Gesicht auch denjenigen gezeigt, die sich bislang einreden wollten, man habe es lediglich mit einer neuen rechtskonservativen Kraft zu tun; einer, die dem von Angela Merkels Mitte-Kurs enttäuschten CDU-Wähler eine neue, demokratische Heimat bieten könne. Wer genau beobachtete und zuhörte, der musste sich allerdings schon lange eingestehen, dass dies eine reine Selbsttäuschung ist.

Seitdem die AfD im Bundestag sitzt, ist es endgültig vorbei mit der taktischen Zurückhaltung. Wer Alice Weidel und Konsorten in dieser Woche erlebt hat, dem muss klar sein: Dies ist nicht die „Alternative für Deutschland“. Das ist eine Alternative für die Demokratie! Im Bundestag sitzen nun erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte Politiker, die ganz offen ein rassistisch-völkisches Weltbild propagieren, die das Land nach ihren Vorstellungen umbauen wollen und damit den Boden des Grundgesetzes verlassen.

Mit anderen Worten: Die AfD ist keine rechtspopulistische Partei — sie ist rechtsradikal.

Sprache der Nationalsozialisten

Wer das nicht glauben will, der möge bitte einmal die vergangenen Sitzungen des Bundestages näher betrachten — vor allem die von der AfD beantragte Debatte um Deniz Yücel vom Donnerstagabend: Da fordert eine politische Partei die Maßregelung des Journalisten wegen zweier Kolumnen aus den Jahren 2011 und 2012.

Der gerade erst aus einjähriger Haft entlassene Deutsche wird in der Debatte von dem Abgeordneten Gottfried Curio als „Hassprediger“ geschmäht. Mehr noch: Für die AfD ist Yücel kein Deutscher, wie Fraktionschefin Weidel ein paar Tage zuvor ausführte: wegen seiner „Gesinnung“ und seiner nicht-deutschen Wurzeln.

Die AfD möchte also darüber befinden, wer deutsch ist und wer nicht. Entscheidend ist für sie das „Blut“. Sie will allen Ernstes darüber bestimmen, welche Texte es wert sind, veröffentlicht zu werden. Sie bedient sich hemmungslos der Sprache der Nationalsozialisten, sät Hass, wo es nur geht und sucht inzwischen ganz offen den Schulterschluss mit der widerwärtigen „Pegida“-Bewegung im Osten.

Man braucht nur ein Mindestmaß an Bildung, um historische Parallelen zu erkennen. „Blut und Boden“-Ideologen haben Deutschland und Europa schon einmal in den Ruin getrieben. Die AfD ist eine Bedrohung, die von allen demokratischen Kräften bekämpft werden muss.

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