Kommentiert: Das reicht nicht

Kommentiert: Das reicht nicht

Gut gedacht, schlecht gemacht — so lässt sich der Vorstoß der NRW-Schulministerin salopp bewerten. Dass Yvonne Gebauer (FDP) es Schulleitern erlauben will, sich eine Stelle zu teilen, ist ein guter Ansatz. Tatsächlich fehlen in Nordrhein-Westfalen an mehr als 700 Schulen Direktoren und mehr als 900 Stellvertreter.

Besonders betroffen sind Grundschulen. Und das seit Jahren. Kein Wunder: Eine Schulleiterstelle an Grundschulen bedeutet viel Arbeit und wenig Geld. Und zwar Managerarbeit, die nicht ausreichend vergütet wird. Die Besoldungsstufe auch für Stellvertreter an Grundschulen wurde richtigerweise schon angehoben. Weil das allein aber offensichtlich nicht reicht, will die Schulministerin nun neue Wege gehen — leider zu zaghaft.

Ein eigentlich guter Ansatz

An den Grundschulen arbeiten de facto vor allem Frauen und viele von ihnen wünschen sich Teilzeitstellen. Wenn Gebauer jetzt Jobsharing erlaubt, ist das ein vielversprechender Ansatz, um den gravierenden Schulleitermangel zu stoppen. Oder besser: Es wäre ein vielversprechender Ansatz. Das am Donnerstag vorgestellte Modellprojekt ist den Namen allerdings nicht Wert. Schade.

Lediglich an fünf Schulen sollen Lehrer die Möglichkeit haben, den Schulleiter-Posten zu teilen. Eine verschwindend geringe Zahl. Und ob das alles praktikabel ist und flächendeckend eingeführt werden kann, soll auch erst nach fünf Jahren bewertet werden. Von einer schnellen Lösung gegen die Probleme an den Schulen im Land kann deshalb wirklich keine Rede sein.

Nur ein Anfang

Dabei gäbe es noch andere Möglichkeiten, um den Schulen zu helfen: Verwaltungsassistenten könnten Schulleiter entlasten. Organisatorische Aufgaben müssen nicht zwingend von Pädagogen erledigt werden. In der Opposition hatte die NRW-FDP noch Tausende solcher Stellen gefordert. Am Donnerstag verkündete Gebauer, dass 45 solcher Stellen geschaffen werden sollen. Immerhin. Das ist vielleicht ein Anfang, aber reichen wird das nicht.

Schulministerin zu sein, ist wahrlich keine dankbare Aufgabe. Gebauer versucht viel und geht dabei neue Wege — auch, indem sie etwa Gymnasiallehrer an Grundschulen locken will. Das ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Doch es muss sich zeigen, ob die Ideen der Schulministerin auch zünden. Im Moment sieht es noch nicht danach aus.