Kommentiert: Das Abendland

Kommentiert: Das Abendland

Zuwanderung: ja. Flüchtlinge: ja. Integration: ja. Abschiebung bei Asylmissbrauch: ja. Alles klar! Das basiert auf dem Bekenntnis zum Grundgesetz mit seiner Menschenwürde.

Es steht auch in der Bibel. Eigentlich gäbe es also nichts zu diskutieren, nur zu handeln — in jede Richtung konsequent.

In Dresden formieren sich seit Wochen Rechtsextreme und sogenannte „Bürgerliche“ gemeinsam. Sie reklamieren für sich die „Rettung des Abendlandes“. Welche Perversion des Denkens! Wer das Abendland retten will, sollte mit Anstand beginnen. Bei sich selber. Was da in Dresden passiert, ist unanständig, weil die Populisten das auf dem Rücken der Schwächsten austragen. Christen retten das Abendland, indem sie folgende Alternativen beherzigen:

Respekt statt Rücksichtslosigkeit, Fürsorge statt Egoismus, Besonnenheit statt Hysterie, Manieren statt schlechten Benehmens, Nachdenken statt Parolen, Offenheit statt Ausländerfeindlichkeit, Argumente statt Aggression.

Die „bürgerliche“ Gesellschaft: In ihr finden wir den hilfsbereiten ehrenamtlich Engagierten ebenso wie den gefährlichen Vereinfacher, der Fakten verdreht und Realitäten ausblendet. Aufklärung nimmt er nicht zur Kenntnis, weil sie sein einseitiges Bild stört. Seit Sarrazin ist der Tunnelblick in allzu rechtskonservativen „bürgerlichen“ Kreisen en vogue.

Kirche der Ausgeschlossenen

Das Weihnachtsevangelium erzählt auf seine Art die Geschichte von Menschen, die an den Rändern ihrer Gesellschaft leben. Ein Paar ohne Unterkunft und eine sozial schwache Gruppe als helfende Besucher. „Kommet, ihr Hirten“: Warum wohl wurde Jesu Geburt ausgerechnet dieser relativ niedrig angesehenen Bevölkerungsschicht verkündet?

Ausschluss statt Integration! Die ganze Härte, kein Entgegenkommen — so schallt es nun von manchen deutschen Straßen und Plätzen. Christen sollten laut und deutlich dagegen vorgehen und tun es jetzt auch. Die Kirche muss die Kirche der Ausgeschlossenen sein, nicht die Kirche des Ausschlusses. Für diese christliche Garantie steht an erster Stelle Papst Franziskus.

Intoleranz und Borniertheit, Überheblichkeit und schlichtes Denken gab es schon immer. Die Menschheit hat nicht viel dazu gelernt. Papst Johannes XXIII. sprach bei der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962 nach wie vor aktuelle Sätze über „Menschen, die zwar voll Eifer, aber nicht gerade mit einem großen Sinn für Differenzierung und Takt begabt sind, die alle Entwicklungen der gegenwärtigen Zeit als Missstände, als Entwicklung zum Schlechten beschreiben. Wir müssen diesen Unglückspropheten widersprechen.“

Die Krippe muss weg

Das ist eine Aufgabe nicht nur für Christen, sondern auch für Muslime. Die innermuslimische Debatte findet nicht umfassend statt. Die Ursachen und Wurzeln der Barbarei durch den „Islamischen Staat“ werden nicht grundlegend angesprochen. Der „Arabische Frühling“ hat seinen Geist verloren, die Länder sind politisch zerrissen und wirtschaftlich marode. Der Islam ist in eine schwere Legitimationskrise geraten. Wir sind unterdessen angehalten, die zahlreichen friedliebenden bei uns lebenden Muslime zu unterstützen. Aber sie selber dürfen nicht zu allem schweigen.

Und wir Christen? Wir sind in mancherlei Beziehung weit gekommen. Schon seit Jahren ist es Angestellten großer New Yorker Kaufhäuser verboten, ihren Kunden „Merry Christmas“ zu wünschen — das sei nicht neutral genug. Diverse Bundestagsabgeordnete regen an, die christlichen Kirchen mögen doch als Zeichen der Annäherung in ihren Weihnachtsgottesdiensten ein muslimisches Lied singen. Die Populisten sind auf verschiedenen Seiten und in mehrere Richtungen unterwegs.

In einer französischen Kleinstadt muss laut Gerichtsbeschluss im Rathaus die Krippe abgebaut werden. Wie verrückt sind wir eigentlich? Das Kind im Stall als Störenfried der multikulturellen Gesellschaft? Trotzdem und erst recht: Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!