Kommentiert: Bittere Aussichten

Kommentiert: Bittere Aussichten

Gerade erst machte die Nachricht vom Verkauf des Musikbunkers die Runde. Ein Aufschrei ging durch die Aachener Musikszene. Vereinsgeschäftsführer Lars Templin selbst beschwichtigte.

Es werde schon alles gut. Heute sieht die Welt für ihn anders aus — schwärzer. Partys sind laut Gerichtsbeschluss im Musikbunker ab sofort bis auf Weiteres tabu. Templin hat das am Mittwoch fast die Sprache verschlagen. Jetzt könnte es für seinen Verein, dessen Arbeit gerade noch fraktionsübergreifend als extrem wertvoll gelobt wurde, existenzbedrohend werden.

Die Gefahr besteht, dass — nach Malteserkeller, Königkeller, Fifty Five, New Water, Hauptquartier, Jakobshof und Aoxomoxoa — noch ein Club dicht machen könnte. Das wäre bitter — für die junge Musikkultur und für Aachen selbst. Warum Konzert- und Partyorte, die teils jahrzehntelang ins Stadtleben integriert waren, jetzt in dieser Schlagzahl Probleme bekommen, fragen sich viele. Sind die Anwohner empfindlicher geworden, die Behörden strenger, die Musikfans rücksichtsloser?

In jedem Fall sind es nicht selten einzelne Beschwerdeführer, die die Clubs ins Wanken bringen. Dass Aachens Angebot an alternativer Musikkultur permanent schrumpft, darf nicht sein. Es ist es dringend an der Zeit, Lösungen zu finden. Da sind alle gefragt, Betreiber, Behörden, Politik, Bürger. In Sachen Musikbunker prüft die Stadt jetzt eine Beschwerde gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts. Das wäre ein wichtiger Schritt. Weitere müssen folgen.