Kommentar zur Fastenzeit oder einfach mal die Klappe halten

Kommentar zur Fastenzeit : Der Rest ist Schweigen

Beim Thema Fasten denkt man zuerst ans Essen. Also daran, weniger zu essen. Doch die Enthaltsamkeit muss bekanntlich nicht bei der Nahrungsaufnahme enden. Es gibt genügend andere Ideen, um die Zeit von Aschermittwoch bis Ostern ein bisschen maßvoller zu gestalten. Wie wäre es, wenn man in den sechs Wochen einfach mal ein bisschen weniger redet. Dummes Zeug zum Beispiel.

Das wäre nicht nur zum Schutze derer, die das leider viel zu oft tun und dafür nachher heftig Prügel beziehen (neudeutsch Shitstorm), sondern würde gerade auch jenen zum Vorteil gereichen, die sich das dumme Geschwätz der anderen dann nicht anhören müssten. So hätten beide etwas davon. Eine Win-Win-Situation.

Einfach mal die Klappe halten! Es gibt Menschen, denen fällt das enorm schwer. Dabei ist es physisch betrachtet verhältnismäßig simpel: Im Grunde muss man nur die Lippen aufeinanderlegen, den Mund also geschlossen halten. Wenn man diesen Rat befolgt, dann ist man schon mal auf einem guten Weg. Sie glauben das nicht? Dann versuchen Sie doch mal, mit geschlossenem Mund zu reden! Früher heftete man Kindern, die ständig dazwischen schwatzten, ein Pflaster auf den Mund. So etwas kann man heutzutage natürlich nicht mehr machen.

Nennen wir es Wort-Fasten. Man kann ja langsam anfangen. Wie wär’s, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt und den eigenen Redeanteil minimal reduziert? Im Schnitt redet ein Mensch 16 000 Worte am Tag. Wenn man auf 14 000 käme, dann wäre schon viel erreicht. Anders als beim Schrittzähler, wäre hier weniger mehr. Gibt es eigentlich eine App, die Worte zählt? Wäre vielleicht eine Geschäftsidee.

Wie viel ein Mensch pro Tag redet, variiert natürlich von Berufsgruppe zu Berufsgruppe erheblich. Eine Mitarbeiterin im Beschwerde-Center der Deutschen Bahn wird, wenn sie denn ans Telefon geht, höchstwahrscheinlich mehr Worte verlieren als ein Pantomime-Künstler. Niemand will ja ernsthaft die Stummfilmzeiten zurückhaben. Wobei es einen Mehrwert darstellen kann, wenn man vor dem Fernseher hin und wieder die Lautlostaste betätigt. Das hängt halt stark vom Programm ab.

Wissenschaftliche Studien haben übrigens ergeben, dass Frauen und Männer den lieben langen Tag gleich viel quatschen. Da sieht man mal, wie Mann sich täuschen kann. Aber zurück zum Thema, bevor wir uns verplappern: Man darf ja durchaus reden, aber viel wäre schon erreicht, wenn man, bevor man redet, denkt. Das allein würde im besten Fall schon dazu führen, dass man weniger redet. Fasten bedeutet schließlich, dass man die Dinge bewusster tut und sich auf sich selbst besinnt. Was aber unter keinen Umständen bedeuten darf, dass man nur noch von sich selbst redet. Das wäre ja schlimm.

Wort-Fasten kann man übrigens das ganze Jahr über, das geht prima. Politikern wäre zu empfehlen, dass sie nicht ab Aschermittwoch, sondern bis Aschermittwoch weniger reden. Das würde ihnen Ärger und uns den einen oder anderen Witz ersparen, über den man nicht lachen kann, weil er so flach ist, dass er locker unter jede Türe passt. Beginn der Fastenzeit wäre dann der 11.11. eines jeden Jahres, immer um 11.11 Uhr. Das kann man sich gut merken.

Weniger reden. Sechs Wochen lang. Warum nicht? Zuhören kann so schön sein. Und es hätte den Charme, dass die anderen auch zu Wort kommen. Und der Rest? Ist Schweigen.