Kommentar zum Nationalismus in Europa: Schmeißt Viktor Orban raus!

Kommentar zum Nationalismus in Europa : Schmeißt Orban raus!

Formal ist Viktor Orbans Fidesz-Partei noch Mitglied der EVP, dem christlich-konservativen Parteienbündnis, dessen Spitzenkandidat Manfred Weber (CSU) ist und dem auch Angela Merkel angehört.

Orbans Mitgliedschaft ist derzeit nur suspendiert. Allerdings gibt es bei der EVP den wachsenden Wunsch, der Ungar möge von sich aus austreten. Zuletzt hat sich die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer so geäußert.

Doch diesen Gefallen macht Orban seinen übertoleranten Kritikern wohlweislich nicht. Er zieht sie stattdessen wie einen Tanzbären am Nasenring durch die Manege. Indem er sich mitten im Wahlkampf mit Rechtspopulisten wie Italiens Innenminister Salvini trifft, indem er die EU und ihre Institutionen in Ungarn verhöhnt, und, Höhepunkt, indem er nun verkündet, er werde Weber bei der Wahl zum EU-Kommissionspräsidenten sowieso nicht unterstützen. Das hat die EVP nun von ihrer Geduld.

In Ungarn bekommt Orban viel Beifall für seine Darbietung, im Rest Europas schadet er der Seriosität der Christdemokratie. Besser spät als zu spät, kann man der EVP und ihrem Spitzenkandidaten nur zurufen. Auch wenn eine aktive Trennung im Nachhinein ein schlechtes Licht auf die CSU werfen würde, allen voran auf Horst Seehofer und Alexander Dobrindt, die  Orban hofiert haben, um Merkel zu schaden. Auch wenn Weber, der damals geschwiegen hat, von dieser Verschattung etwas abbekäme. Aber die Dinge bis zum Wahltag laufen zu lassen, schadet noch mehr. Denn so kann jeder mit Fug und Recht sagen, die EVP dulde in ihren Reihen einen europäischen Antidemokraten, einen christlichen Hassprediger, einen Anführer einer korrupten Clique, letztlich einen Zerstörer Europas.

Neben diesem prinzipiellen Grund gibt es noch einen weiteren: Er ist taktischer Natur.  Wo­rum geht es denn in diesem spezifischen Wahlkampf? Es geht um die Mobilisierung der Pro-Europäer gegen die Nationalisten. Es geht darum, dass die Menschen angesichts des wachsenden Populismus wieder kämpfen für die Errungenschaften von internationaler Kooperation und offenen Grenzen. Und um die Abwehr kultureller Engstirnigkeit. Es geht um Europas Werte, die von innen he­raus angegriffen werden wie nie zuvor.

Es gäbe für die Christdemokraten kaum ein überzeugenderes Wahlkampfsignal in der Schlussphase, als die klare Trennung von solchen Strömungen, wie sie Orban vertritt.  Mag Orban sich neue Freunde suchen!

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