Kommentar zum Lehrermangel: Werdet bitte Lehrer!

Kommentar zum Lehrermangel : Werdet bitte Lehrer!

In den vergangenen 30 Jahren haben sich Lehrerschwemme und Lehrermangel immer wieder abgewechselt. Das war durchaus politisch gesteuert. Mal wurde jungen Leuten ab-, mal zugeraten, Lehrer zu werden. Leider immer so, dass man haarscharf an den Prognosen vorbei studiert hat.

Glaubt man der neuesten Vorhersage der Kultusminister, gilt für die kommenden Jahre: Bitte werdet Lehrer! Und zwar schnell. Es gibt überzeugende Gründe zu der Annahme, dass die Vorausschau diesmal richtig ist. Allerdings ist der Bedarf nicht an allen Schulen gleich. So sind Grundschulen viel stärker von der Knappheit betroffen als andere.

Es rächt sich schon länger, dass die Länder Ausbildungskapazitäten abgebaut statt ausgebaut haben. Außerdem gibt es in der Regel immer weniger Anwärter für den Schuldienst, wenn die Wirtschaft boomt. Weil die Verdienst- und Aufstiegschancen in den Unternehmen einfach besser sind. Wenn nun aber nichts geschieht, droht auch die Bildungsrepublik am Fachkräftemangel zu scheitern. Zumal es offenkundig eine neue Lust aufs Kind gibt, wie die seit Jahren steigende Geburtenrate zeigt.

Also muss politisch gehandelt werden. Die gute Nachricht ist: Es gibt Maßnahmen, um die akute Lücke zu überbrücken. Bestes Beispiel sind die Einstellungen von Quereinsteigern. Sie haben Fächer wie Chemie oder Germanistik studiert, bringen also das notwendige Fachwissen mit, aber nicht den pädagogischen Hintergrund. Das ist der Nachteil. Auch Kräfte aus dem Ruhestand stundenweise zurück ins Schulleben zu holen, kann Abhilfe schaffen, ist aber nicht jedermanns Sache nach mehreren Jahrzehnten im anstrengenden Schuldienst.

Die schlechte Nachricht ist: Jede dieser Maßnahmen dämmt den Notstand lediglich ein. Aber sie sind allemal besser, als nichts zu tun. Wer zugleich langfristig mehr junge Leute motivieren will, Lehrer zu werden, muss zuallererst den Beruf attraktiver machen – angefangen bei einer bundesweit gleichen und besseren Bezahlung.

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