Kommentar zu Annegret Kramp-Karrenbauer

Kommentar zu Annegret Kramp-Karrenbauer : Das Geschwätz von gestern

Rückblende 1: Vor eineinhalb Jahren verkündete Martin Schulz, nun doch Bundesaußenminister werden zu wollen. Dabei hatte er kurz zuvor erklärt, keinesfalls ins Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel eintreten zu wollen. Die Reaktionen auf die Kehrtwende waren für ihn verheerend.

Die SPD-Basis rebellierte, weil sie die Glaubwürdigkeit ihrer Partei beschädigt sah. Die meisten Medien hielten dem Würselener Wortbruch vor, schütteten Hohn und Spott über ihn aus.

Rückblende 2: Seit vier Tagen ist  CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer Verteidigungsministerin. Dabei hatte auch sie ganze zwei Wochen zuvor dieses Amt für sich  definitiv ausgeschlossen. Das öffentliche Echo auf den Kurswechsel verwundert. Aus der CDU ist allenfalls ein zartes Murren zu vernehmen. Und auch die meisten Medien reagieren auffallend verhalten. Von Wortbruch ist kaum die Rede. Diskutiert wird vornehmlich, ob die plötzliche Kehrtwende AKKs Ambitionen auf das Kanzleramt förderlich ist.

„Was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern“ – immer wieder handeln auch einzelne Politiker nach diesem Motto. Natürlich darf das kritisiert werden. Bedenklich wird es jedoch dann, wenn der Grad der Empörung vom Parteibuch des Sünders abhängig gemacht wird.

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