Kommentar zum Pflegenotstand: Keine Lyrik fürs Poesiealbum

Kommentar zum Pflegenotstand : Keine Lyrik fürs Poesiealbum

Es ist aller Ehren wert, dass die Bundesregierung viel Energie darauf verwendet, um dem Pflegenotstand im Land abzuhelfen. Die „Konzertierte Aktion Pflege“, die von gleich drei Bundesministern vor einem halben Jahr im Zusammenspiel mit Pflege-Experten aus der Praxis gestartet wurde, ist jedenfalls keine Lyrik fürs Poesiealbum.

Vielmehr zeichnet sich die Initiative durch konkrete Vorhaben aus, die die Bedingungen im Pflegebereich tatsächlich verbessern können. Das gilt zuallererst für die geplante Ausbildungsoffensive. Denn es fehlt akut an Personal. Vor allem in der Altenpflege. So kann es nicht nur um neue Azubis gehen. Die Verabredung, zusätzlich 5000 Weiterbildungsplätze auch für Berufsrückkehrer anzubieten, ist daher ebenfalls ein wichtiges Zeichen.

Gerade für Altenpfleger gilt allerdings, dass sie etwa im Vergleich zu Krankenpflegern deutlich schlechter bezahlt werden. Hier ist es an Arbeitsminister Hubertus Heil, das Feld für bundesweite Tarifverträge zu bestellen. Aus Sicht der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen wird damit allerdings ein grundsätzliches Problem sichtbar. Denn für ihre Unterbringung in den Heimen müssen die Betroffenen immer mehr aus eigener Tasche bezahlen. Mit einer spürbar höheren Vergütung des Pflegepersonals dürfte sich diese Entwicklung weiter beschleunigen. Auch die Ausbildungsoffensive kostet. In der Folge wären immer mehr Pflegebedürftige auf Sozialhilfe angewiesen. Die Frage ist also, was die Pflegeversicherung künftig leisten soll oder muss.

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