Heftige Debatte im Aachener Friedenspreis

Kommentar zum Aachener Friedenspreis : Klare Haltung ist gefragt

Kurz nachdem der Ukrainer Ruslan Kotsaba als Friedenspreisträger 2019 ausgerufen war, wurden antisemitische Aussagen von ihm bekannt. Der Vorstand reagierte schnell und eindeutig. Aber das passt bis heute nicht allen im Verein.

Immer mehr deutschen Juden macht der zunehmende Antisemitismus hierzulande zu schaffen. Ihre Sorgen sind ernst und leider berechtigt. Gegen dieses Erzübel darf es nur glasklare Haltung geben; das gilt erst recht für die Deutschen. Im Verein Aachener Friedenspreis ist Antisemitismus nach wie vor ein heikles Thema, was die jüngste Mitgliederversammlung deutlich offenbarte.

Auch deshalb – vor allem aber aus grundsätzlicher Haltung heraus – war es richtig, dass der Vorstand des Vereins schnell und unmissverständlich reagierte, als bekannt wurde, dass ein designierter Preisträger sich eindeutig antisemitisch geäußert hat. Hätte der Vorstand anders gehandelt, hätte der Aachener Friedenspreis zweifellos viele Unterstützer und Mitglieder verloren.

Dass das Video mit den antisemitischen Aussagen Ruslan Kotsabas niemandem im Friedenspreisverein vor Bekanntgabe der geplanten Auszeichnung bekannt war, ist sicher. Auch wenn er sich nachträglich von seinen Aussagen distanziert hat, taugt Kotsaba nicht als Träger des Friedenspreises eines Vereins, der sich in seiner Satzung gegen „Rassismus, Nationalismus, Faschismus, Ausländerfeindlichkeit sowie gegen Ausgrenzung von Minderheiten“ richtet. Im Kampf gegen Antisemitismus geht es um klare Position.

Ein maßgeblicher Repräsentant der Aachener Linken, der nicht erst seit gestern Politik macht, will diese Klarheit nicht und lehnt eine ausdrückliche Unterstützung des Vorstands ab, weil die den Konflikt um den Preisträger und den Vorstandsbeschluss zuspitze, der mit dem Verzicht Kotsabas „elegant aus der Welt geschafft ist“. Diese Aussage von Darius Dunker müsste für die Linke allerdings ein Warnsignal sein, wenn sie denn überhaupt bereit ist, es zu hören. Dem anwesenden Bundestagsabgeordneten Hunko, dessen Mitarbeiter Dunker ist, war die Äußerung jedenfalls keinen Kommentar wert.

Der Verein Aachener Friedenspreis ist bestrebt, in seiner Mitgliederschaft ein breites Spektrum von Bürgerlichen auf der einen bis zum ganz linken Rand auf der anderen Seite abzudecken. Die aktuelle Auseinandersetzung – auch wegen der deutlich ins Persönliche gehenden Attacken einzelner Vereinsmitglieder gegen den Vorstand – ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie schwierig ist es, dieses Anliegen durchzuhalten.

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