Glossiert: Wer ist schon perfekt?

Glossiert: Wer ist schon perfekt?

Ja, es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, keinen Erfolg im Leben zu haben. Die sicherste ist, alles perfekt machen zu wollen. „Ich gegen mich“ ist ein beliebtes Spiel bei Frauen. Ich hab’s auch jahrelang gespielt. Meine Mutter auch. Ich bekam es sozusagen ab Werk mitgeliefert.

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Wir Frauen pendeln ständig zwischen BMI, VHS, Pilates, Blockflötenstunde und Elternabend. Und erwarten dafür Anerkennung. Warum? Weil wir immer und überall so verdammt abhängig davon sind.

Früher fühlte ich mich auch für alles Unangenehme verantwortlich: Hätte ich nach Klaus Kleber das Wetter ansagen dürfen, ich hätte mich für jedes Tiefdruckgebiet entschuldigt und orkanartige Böen über den Hochlagen der Eifel sogar als persönliches Versagen auf meine Kappe genommen.

Vielleicht liegt es am Alter, oder an den Hormonen, aber heute verzweifele ich nicht mehr, weil ich kein perfekter Profi in irgendwas bin. Ein Amateur hat die Arche gebaut, Profis die Titanic. Weniger Perfektion, mehr Gewinn. Also: Was du heute kannst besorgen, machst du gar nicht oder morgen. Mein voller Wäschekorb steht seit drei Tagen im Türrahmen, damit ich ihn nicht vergesse — noch drei Tage und ich müsste Salto und Flic Flac können.

Ich habe gelernt: Du kannst niemals alle mit deinem Tun begeistern. Selbst wenn du übers Wasser laufen könntest, käme einer daher und würde fragen: Bist du zu blöd zum Schwimmen?

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