Glossiert: Ich wäre so gerne Hermine!

Glossiert: Ich wäre so gerne Hermine!

Aufwachen, zur Couch tapsen, räkeln, weiterschlafen. Ich wäre eine tolle Katze. Und ich würde auch nicht, wie meine Hermine, meinem Frauchen das Gefühl geben, dass ihre Anwesenheit auf dem Sofa stört.

Alles ist ihr Revier. Der Tisch ist ihr Laufsteg und mein Kleiderfach, das mit den teuren Kaschmirpullis, ihr Versteck. Ohne Katzenhaare fühle ich mich mittlerweile nicht mehr richtig angezogen. Zum Glück ist bei uns aber keiner allergisch. Mein Kollege hat auch eine Katze — und seine Freundin leider eine Katzenallergie. Sie wollte, dass er sich von ihr trennt. Er fragte mich neulich: Kennst du jemanden, der Interesse hat? Sie hat braunes Haar, ist 165 cm groß und 24 Jahre alt.

Auch mein Bett gehört Hermine — ist in Ordnung! Eines finde ich aber nicht in Ordnung: Dass sie mich abschätzend mustert, kurz würgt, sich umdreht und rausstolziert, wenn ich unter der Dusche stehe. Da lobe ich mir meinen Badspiegel. Der beschlägt wenigstens.

Und dennoch verwöhne ich sie. So füttere ich Hermine nicht, sondern bringe ihr Opfergaben dar. Und kein Trockenfutter. Choupette, die Katze vom Lagerfeld, soll mal gesagt haben: Wer Trockenfutter frisst, hat die Kontrolle über sein Herrchen verloren. Auch Hermine bevorzugt Nassfutter, etwa eine zarte Verführung von Zanderfilet mit Langustenschwänzen, verfeinert mit einem Mousse aus Regenbogenforelle und einer dezenten Note Zitronengras.

Als ich es ihr gestern in einem Schälchen aus hauchzartem, chinesischem Porzellan aus der Ping-Pong-Dynastie kredenzte, schaute sie mich fragend an Ganz nach dem Motto: Warum ist da kein Petersiliensträußchen drauf? Ich habe die Werbung doch auch gesehen!

Mehr von Aachener Nachrichten