Kommentar zur Lage der katholischen Kirche: Es scheppert im Karton

Kommentar zur Lage der katholischen Kirche : Es scheppert im Karton

Die katholische Kirche ist ein streng hierarchisch strukturiertes und von Männern geführtes Gebilde. Wenn der Papst sagt, es werde sich in absehbarer Zeit nichts daran ändern, dass Frauen keine Priesterinnen werden können, wird sich nichts ändern.

Ob überhaupt oder warum nicht, in welcher Form und wann auch immer . . . über das Frauendiakonat haben Theologen jahrelang diskutiert. Weil sie noch länger diskutieren sollen, werden sie noch länger diskutieren, zumal sie grundsätzlich gerne und lange diskutieren.

Das franziskanische Prinzip

Die Frage des Frauendiakonats hat für Franziskus wie die des Zölibats keine Priorität. Man kann fast sagen: Diese Fragen interessieren ihn nicht besonders. Dieser Papst kommt aus Südamerika. Die Kirche dort hat wie jene in Afrika in hohem Maße mit existenziellen sozialen Fragen zu tun. In der Weltkirche spielen die hierzulande unter Katholiken heiß diskutierten Themen keine große Rolle. Das kann man bedauern, das ist zu bedauern, aber realistisch kaum zu ändern.

Der Papst spürt keinerlei Druck, neue Antworten zum Frauendiakonat, zum Zölibat oder zur katholischen Sexualmoral zu geben. Woher sollte dieser Druck auch kommen? Aus den jungen, lebendigen Kirchen des Südens bestimmt nicht, zumal afrikanische in diesen Fragen oft geradezu reaktionär eingestellt sind. Ohne Druck ändert sich aber nichts. Da kommt nun die deutsche katholische Kirche ins Spiel, wenn sie denn will.

Weil die deutsche katholische Kirche reich und einflussreich in der Weltkirche ist, hat sie zumindest die Chance, im Vatikan etwas zu bewegen. Denn Franziskus ist ein Papst, der ungeachtet seiner eigenen Prioritäten das Prinzip der Synodalität in seiner Kirche schätzt und bereit ist, in der großen Weltkirche mehr Vielfalt zuzulassen. Das gilt es, im Sinne von Reformen zu nutzen. Die deutsche katholische Kirche dürfte dabei allerdings nicht mit allzu vielen Zungen sprechen. Vor allem müsste es aufhören, dass Bischöfe einzelne ihrer reformorientierten und eher liberalen Amtsbrüder in Rom anschwärzen, wie es über Jahrzehnte geschehen ist und bis heute geschieht. Skepsis ist berechtigt, dass das ein Ende nehmen könnte. Um überhaupt Druck nach oben auszuüben, müssen die deutschen Bischöfe ihrerseits mehr Druck von unten spüren.

Die Bischöfe haben sich für einen „synodalen Weg“ entschieden, um mit dem Kirchenvolk über die umstrittenen systemischen Fragen – Amt, Macht, Kontrolle, Frauen, Zölibat, Sexualmoral – zu diskutieren. Wie dieser Weg aussehen soll, wann und wo er beginnt, wann und wo er endet, ist bislang völlig offen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken mit seinem energischen Präsidenten Sternberg hat am Donnerstag beschlossen, sich daran zu beteiligen, stellt aber – vernünftigerweise – Bedingungen: Offenheit der Beratungen und Verbindlichkeit der Beschlüsse.

Der Druck der Basis

Es geht um die systemischen Fragen. Im Bistum Aachen kommt es darauf an, dass die Interessierten und Engagierten in möglichst vielen Pfarreien und Gemeinschaften der Gemeinden darüber diskutieren, sich informieren und positionieren, um dem Bischof sehr deutlich und sehr nachdrücklich zu sagen, was die Gläubigen an der Basis wollen. Nur in dem von der Bistumsspitze gelenkten „Heute bei dir“-Prozess kann und wird das nicht gelingen, so chancenreich dieser Prozess auch ist. Aber das Kirchenvolk muss vor allem unabhängig davon seine Meinungen sagen, bündeln und Forderungen stellen.

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