Kommentar zum Kükentöten: Es gibt Alternativen

Kommentar zum Kükentöten : Es gibt Alternativen

Das Wohlergehen ihrer Haustiere liegt vielen Menschen sehr am Herzen. Die Heimtierbranche erfreut sich stetig wachsender Umsätze. Die Tierliebe endet bei vielen jedoch, wenn es ums Ei, die Wurst oder die Hähnchenbrust geht. Denn die sollen möglichst wenig kosten.

Massenhaft greifen die meisten Fleischliebhaber noch immer zu Billigprodukten – und blenden geflissentlich aus, wie diese entstehen. Tierschutzorganisationen decken ständig gravierende Verstöße bei der Nutztierhaltung auf. Darüber, wie viel Platz Schwein und Co. im Stall brauchen, ob die Tiere „Spielzeug“ brauchen und wie viel Auslauf, wenn überhaupt, notwendig ist, wird in Politik und Gesellschaft immer noch gestritten. Und immer noch dürfen männliche Küken von Legehennenrassen getötet werden, weil ihre Aufzucht nicht profitabel ist. 45 Millionen Küken sollen es jedes Jahr sein.

Heute entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, ob das auch in Zukunft erlaubt und das massenhafte Töten von Küken mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist. Anders gesagt: Ob im Sinne des Tierschutzgesetzes ein „vernünftiger Grund“ für das Töten vorliegt. Den hatte das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen 2016 gesehen, weil die Aufzucht der Küken unwirtschaftlich sei und weil es keine praxistauglichen Verfahren gebe, nur Eier mit weiblichen Küken ausbrüten zu lassen.

Letztere gibt es mittlerweile. Eines dieser Verfahren soll noch in diesem Jahr Serienreife erlangen. So steht es in einer Mitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom November vergangenen Jahres. Das Ministerium hat dessen Entwicklung gefördert. Gefördert wird auch ein Forschungsprojekt zur Züchtung eines sogenannten „Zweinutzungshuhns“ – ein schreckliches Wort! Deren Hennen produzieren Eier, die Hähne werden gemästet. Das „Zweinutzungshuhn“ legt weniger Eier und braucht länger bis es Schlachtgewicht hat, ist aber gesünder und kostengünstiger beim Futter. Will heißen: Es rechnet sich möglicherweise, und die Verbraucher müssten zwar mehr zahlen, aber nicht viel mehr, könnten jedoch mit besserem Gewissen zur Hähnchenkeule oder Geflügelgrillwurst greifen.

Mehr Kontrolle nötig

So richtig es ist, dass wir Verbraucher es mit unserem Kaufverhalten mit in der Hand haben, ob Nutztiere entsprechend den Regeln des Tierschutzgesetzes gehalten werden oder einfach getötet werden, so falsch ist es, die Verantwortung allein auf die Verbraucher abzuschieben. Die Politik ist hier ebenso gefordert wie die Wirtschaft. Es braucht Gesetze, die eindeutige, wissenschaftlich untermauerte Regeln für die Haltung der Tiere festschreiben. Es braucht mehr Kontrolleure, die deren Einhaltung überwachen. Es braucht mehr Förderung von alternativen, kleineren landwirtschaftlichen Betrieben und ein Verbot von Massentierhaltung. Nicht zuletzt muss die Lebensmittelwirtschaft ihren ruinösen Preiskampf beenden. Gute Ansätze gibt es da schon. Aber es sind noch zu wenige.

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