Kommentar zum Kurswechsel bei Facebook: Einen Versuch ist es wert

Kommentar zum Kurswechsel bei Facebook : Einen Versuch ist es wert

Das von Skandalen gezeichnete Netzwerk Facebook soll privater werden. Einen echten Kurswechsel hat CEO Mark Zuckerberg angekündigt. Überraschend? Nicht wirklich. Schon früher hat er das Erscheinungsbild von Facebook immer dann angepasst, wenn er musste oder sich einen Vorteil davon versprochen hat.

Man darf also vermuten, dass Zuckerberg nicht geläutert ist, sondern schlicht auf Entwicklungen reagiert. Die Privatsphäre als Fundament – das klingt zu schön, um wahr zu sein. Besonders mit Blick auf die Historie von Facebook, die geprägt ist vom schludrigen Umgang mit Daten. Vorsichtshalber nimmt Zuckerberg allen, die die Glaubwürdigkeit seines Kurswechsels anzweifeln wollen, den Wind aus den Segeln und schreibt: „Ich verstehe, dass viele Leute nicht glauben, dass Facebook eine solche auf Privatsphäre fokussierte Plattform aufbauen würde oder wollte.“ Was er nicht schreibt: Warum eigentlich glauben viele Leute das nicht? Die Antwort: Wegen des Rufs, den Facebook sich unrühmlich über Jahre aufgebaut hat.

Laut einer frisch veröffentlichten Umfrage hat Facebook in den USA in den vergangenen beiden Jahren 15 Millionen Nutzer verloren, vor allem 12- bis 34-Jährige. Das könnte eine der Entwicklungen sein, auf die Zuckerberg nun reagieren möchte. Zwar können die Nutzerzahlen mit Instagram aus dem eigenen Haus kompensiert werden. Dennoch ist Facebook nicht mehr der Fels in der Brandung, der bislang Skandal um Skandal überstanden hatte.

Immer wieder ist das Unternehmen in Konflikt mit Datenschützern und Behörden geraten. Wann es den Nutzern letztlich zu weit gegangen ist, lässt sich nicht genau sagen. War es, als herauskam, dass Facebook jahrelang 60 Herstellern Zugriff auf Nutzerdaten gewährt hat? Oder dass 150 Firmen dank Datendeals ebenfalls umfassenden Zugriff hatten? Oder doch erst, als sich das Unternehmen Cambridge Analytica Zugang zu Daten von Abermillionen Nutzern verschafft hat?

Unklar ist bislang, wie sich neue Datenschutz-Regeln auf Facebooks Geschäftsmodell mit personalisierter Werbung auswirken könnten. Klar ist dagegen, dass es schwierig wird, das Vertrauen derjenigen Nutzer zurückzugewinnen, die längst verschreckt sind. Einen Versuch ist es dennoch wert.

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