Angemerkt zum Literaturnobelpreis: Eine mutige Entscheidung

Angemerkt zum Literaturnobelpreis : Eine mutige Entscheidung

Für jeden Schriftsteller, der ernst genommen werden will, ist das Schreiben die Triebfeder, die ihn am Leben hält. Für Peter Handke gilt das vielleicht noch mehr als für manche seiner Kollegen.

Handke ist ein Eremit, ein unbequemer Querkopf, der zurückgezogen mit sich und seinem Schreiben lebt, isoliert von der Welt, fernab von den Mechanismen des Literaturbetriebs. Das Schreiben ist seine Religion.

Handke lesen ist mitunter eine Qual. Und doch kann es ein Genuss sein, weil es einem das zunehmend rare Gefühl vermittelt, in die Gedankenwelt eines unmodernen Menschen vorzudringen, der sich um technischen Schnickschnack, Kommerz und Ansehen einen – um es in der Diktion Handkes zu formulieren – feuchten Dreck schert.

Die Akademie ihrerseits hat sich wenig geschert um die Tatsache, dass Handke im Jugoslawienkrieg offen Partei für Serbien und den ehemaligen Präsidenten Milosevic ergriffen hat. Deshalb ist die Preisvergabe auch eine Provokation, die dem Ober-Provokateur Handke zur Ehre gereicht.

Mit dieser definitiv mutigen Entscheidung kehrt das Nobelpreiskomitee nach den Skandalen in den eigenen Reihen zur alten Stärke zurück. Der Literaturnobelpreis lebt! Handke sowieso. Weil er nicht nur Pilze sammelt, sondern schreibt und schreibt und schreibt.