Kommentar zur Koalition in Bremen: Ein Signal? Nicht unbedingt.

Kommentar zur Koalition in Bremen : Ein Signal? Nicht unbedingt.

Zunächst einmal: es geht um Bremen, es geht um 556.000 Einwohner, es geht um das kleinste und, bei allem Respekt, auch überflüssigste Bundesland, wo zu wenige Radwege, zu viele Baustellen und zu hohe Mieten den Wahlkampf prägten.

Das relativiert die Signalwirkung, die manche aus dem (fast perfekten) rot-grün-roten Bündnis für den Rest der Republik herauslesen. Was an der Weser gelingt, muss im Bund noch lange nicht klappen, falls denn die Groko im Herbst implodieren sollte.

Dennoch ist die erste Koalition in einem westdeutschen Bundesland unter Beteiligung der Linken ein bemerkenswerter Vorgang. Bemerkenswert, weil angesichts des chronischen Siechtums der Sozialdemokraten eine linke Mehrheit derzeit nur so zu organisieren ist. Und bemerkenswert auch deshalb, weil die Linke langsam aber sicher ihr Schmuddelkind-Image abzulegen beginnt. Mit drei Senatoren kann sie nun beweisen, dass sie nicht nur im Osten regieren kann.

Dass es überhaupt dazu kam, ist vor allem ein Verdienst von Carsten Sieling. Als Bürgermeister war er eine blasse Figur, als Strippenzieher dafür umso erfolgreicher. Die krachende Niederlage seiner dauerregierenden SPD bei der Bürgerschaftswahl spornte ihn an, dem Wahlsieger CDU unter allem Umständen den Weg an die Macht zu verlegen. Das wäre anderen vermutlich schwerer gefallen. Insofern ist der Vorwurf ziemlicher Unsinn, da habe mal wieder einer an seinem Sessel geklebt. Das es nicht so ist, zeigte Sielings Rücktritt, mit dem er doch noch die Verantwortung für das desaströses Abschneiden seiner Partei übernommen hat – Respekt.

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