Rammstein in Moskau: Ein Hoch auf die sanfte Provokation

Rammstein in Moskau : Ein Hoch auf die sanfte Provokation

Rammstein ist keine politische Band. Das ist sie nie gewesen, obwohl ihr Hintergrund politisch geprägt ist. Alle Bandmitglieder haben die DDR erlebt, einige haben unschöne Probleme mit dem Staat gehabt. Was die Band aber regelmäßig tut, ist, sich gerade rechtzeitig doch noch zu positionieren.

Man muss Rammstein samt ihres martialischen Auftretens und ihrer Vorliebe für Provokationen nicht mögen. Man kann den Bandnamen geschmacklos finden und vieles, was sie sonst tut, ebenso. Zum Beispiel die Riefenstahl-Videoelemente. Die waren geschmacklos und ernteten zu Recht Kritik. Aber: Kurz darauf erschien „Links 2,3,4“, und die Band positionierte sich damit so klar wie nie zuvor. Womöglich noch immer nicht klar genug für manch stumpfsinnige Nationalisten, aber das ist mitnichten das Problem der Band.

Der Kuss in Russland reiht sich in die wenigen politischen Statements ein. Es ist ein sehr schönes, ein wichtiges sogar. Denn Rammstein erreicht Millionen und hat in der Popkultur entsprechenden Einfluss. Aber bei allem Überschwang: Die Geste ist für die Band kein allzu großer Schritt. Ernstes zu befürchten hat sie nicht, und mit dem gezielten Anecken verdient sie ihr Geld. Dennoch ist es erfreulich, dass sie diesmal so sanft und versöhnlich provoziert. Nicht erfreulich ist, dass ein Kuss überhaupt noch immer provozieren kann.

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