Kommentar zu Donald Trump: Doppelter Tiefschlag

Kommentar zu Donald Trump : Doppelter Tiefschlag

Ohne Frage, die Urteile gegen seine einstigen Getreuen sind ein doppelter Tiefschlag für Donald Trump. Wie sehr ihn die Schuldsprüche gegen Paul Manafort und Michael Cohen schmerzen, lässt sich an der dünnhäutigen Twitter-Reaktion des Präsidenten ablesen.

Kein Wunder: Die von Trump neuerdings in Anführungszeichen gesetzte Justiz und das so diskret wie beharrlich arbeitende Team um Sonderermittler Mueller rücken ihm jetzt zum ersten Mal gefährlich nahe. „Trump komme jetzt von der Bratpfanne direkt ins Feuer“, kommentiert die „Washington Post“. Zumal keiner weiß, was die gestrauchelten Vertrauten noch so alles ausplaudern können und wollen, um das Strafmaß zu drücken.

Nicht täuschen

Doch wer schon die Totenglöckchen für diese unsägliche Präsidentschaft läuten hört, sollte sich nichts vormachen. Nach wie vor spricht mehr dagegen als dafür, dass die Möbelpacker im Oval Office vorzeitig anrücken. Viele US-Juristen stützen weiterhin die Linie der Trump-Verteidigung, wonach ein amtierender Präsident vor einer direkten Anklage grundsätzlich geschützt sei. Und auch ein Amtsenthebungsverfahren ist immer noch extrem unwahrscheinlich.

Die Chancen, dass sich der republikanisch beherrschte Kongress dazu entschließt, tendieren gegen Null. Und die Beispiele Nixon und Clinton lehren obendrein: Ein solches Verfahren kann dauern, vermutlich länger, als Trumps erste Amtszeit währt. Wer auf ein Ende des Alptraums hofft, sollte eher den November in den Blick nehmen. Die Aussichten, dass die Demokraten bei den wichtigen Halbzeit-Wahlen zumindest die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobern, sind gar nicht so schlecht. Ihre Kampagne ist zwar nur schleppend aus den Startlöchern gekommen, nimmt aber jetzt Fahrt auf. Eine demokratische Mehrheit könnte wenigstens den politischen Flurschaden begrenzen, den der Wüterich noch anrichten kann. Doch am Ende werden es wohl die amerikanischen Wählerinnen und Wähler sein, die Trump aus dem Amt jagen müssen — 2020.

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