Digitalkolumne: Wie Amazon Prime mit Werbung Kunden vergrault

Die digitale Welt : Mit Werbung die Kunden vergraulen

Werbung – früher, im guten alt(modisch)en Fernsehen war das noch legitim und akzeptiert. Wer das klassische Fernsehen nutzt, ist sowieso geduldiger: Schließlich wartet er auf die Sendung, die er sehen will – da nimmt er dann auch Werbeunterbrechungen in Kauf. Die Zeiger bewegen sich dort noch anders als in der Online-Welt, das Leben läuft etwas langsamer.

Bei Web-Streamingdiensten sieht das anders aus. Dort ist alles jederzeit abrufbar. Darum will man alles auch sofort nutzen können – und zwar ohne Werbung. Wer bei Amazon Prime Video etwa die neue Folge einer Serie oder einen Film anschauen möchte, der will direkt starten. Geduld ist nicht die Tugend der Internet-Nutzer.

Daher ist hier Werbung um einiges störender als im Fernsehen. Trotzdem erdreistet sich Amazon, dem Streamer vor jeder Sendung einen Werbeclip zu präsentieren. Und zwar nicht die interessante Art Reklame von bekannten Automarken, Schokoriegeln oder Damenparfum. Amazon schaltet Werbung – und das ist das Absurde – für sich selbst, genauer: Für eben jenes Produkt, das man gerade nutzt, für das man also bereits bezahlt hat: Vor jeder Folge und vor jedem Film wird ein Trailer vorgespielt, der eine Amazon-Serie bewirbt.

Was sich Amazon davon verspricht, mir vor jeder Filmsichtung so einen Clip zu präsentieren, bleibt ein Rätsel. Will es auf die breite Vielfalt seines Angebots aufmerksam machen? Dagegen spricht, dass mir immer die gleichen drei Trailer gezeigt werden. Will es mir einen Tipp geben, was ich sonst noch schauen könnte? Das passiert doch schon regelmäßig über den Newsletter und die Rubrik „Das könnte Sie auch interessieren.“ Will Amazon mir dann sein tolles Angebot deutlich machen, damit ich weiterhin Kunde bleibe? Erreicht wird damit eher das Gegenteil: Das Schalten von der stets gleichen Werbung für die immer gleichen Amazon-Serien sorgt bei mir eher dafür, die Qualität des Streaming-Dienstes zu hinterfragen. Selten war Werbung so überflüssig und kontraproduktiv wie hier.

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