Kommentar zum USA-Iran-Konflikt: Die Lunte brennt

Kommentar zum USA-Iran-Konflikt : Die Lunte brennt

Brandgeruch liegt in der Luft. Nach den neuerlichen Zwischenfällen im Golf von Oman ist die Gefahr eines Krieges zwischen den USA und dem Iran dramatisch gestiegen. Irgendjemand zündelt im Mittleren Osten gewaltig, scheint einen Waffengang provozieren zu wollen. Hat er damit Erfolg, wäre das eine Katastrophe mit ungeheuren Folgen weit über die Region hinaus.

Natürlich ist die naheliegende Frage: Wer legt das Feuer an die Lunte? Momentan lässt sich darüber nur spekulieren. Der Iran dürfte allerdings kaum Interesse an einer weiteren Zuspitzung des Konfliktes haben. Die Mullahs in Teheran sind zwar theokratische Diktatoren, verfolgen in der gesamten Region zudem eigene Machtinteressen. Aber es handelt sich bei ihnen nicht um Selbstmörder. Sie dürften genau wissen: Eine militärische Auseinandersetzung mit den USA wäre ein Desaster für ihr Land und das Ende des eigenen Regimes.

US-Präsident Donald Trump und seine Administration hingegen tun seit Monaten alles, um den Konflikt weiter zu eskalieren. Sie haben das internationale Atomabkommen mit Teheran aufgekündigt, versuchen, den Iran wirtschaftlich immer stärker zu strangulieren und zeigen massive militärische Präsenz vor der Küste des Landes. Es bedarf keiner anti-amerikanischen Einstellung um zu konstatieren: Es gibt in Washington um Trump und seinen Sicherheitsberater John Bolton einen Kreis von Falken, der seit geraumer Zeit den Eindruck erweckt, mit allen Mitteln das Regime in Teheran stürzen zu wollen und dafür auch einen Krieg zu riskieren. Deshalb darf sich niemand wundern, wenn der Verdacht aufkommt, dass die USA oder einer ihrer Verbündeten aus der Region hinter den mysteriösen Zwischenfällen im Golf stecken, um dafür anschließend den Iran verantwortlich zu machen.

Lügen in der Vergangenheit

Sicher, all das sind bislang lediglich Spekulationen. Aber eine an den Haaren herbeigezogene Verschwörungstheorie? Nein! In der Vergangenheit haben die USA mehrfach mit fingierten Zwischenfällen oder falschen Anschuldigungen Militäraktionen öffentlich begründet. Erinnert sei an den Vietnam-Krieg (Tonkin-Zwischenfall), an den ersten Irak-Krieg (Brutkasten-Legende) oder den zweiten Irak-Krieg (Giftgas-Vorwürfe). All das waren Lügen. Dass ausgerechnet Trump es mit der Wahrheit genauer nimmt als einige seiner Vorgänger, ist so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto.

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