Kommentar zu „Ende Gelände“: Die Hemmungen fallen

Kommentar zu „Ende Gelände“ : Die Hemmungen fallen

Vor zwei Wochen protestierten zehntausende, an diesem Wochenende tausende Menschen für einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohleförderung. Der Widerstand gegen den schmutzigen Energieträger wächst und damit auch parallel die Bereitschaft, sich für einen Politik- und Klimawechsel einzusetzen.

Längst sind es nicht mehr Träumer oder ökologische Phantasten, die auf die Straße gehen. Der Widerstand hat inzwischen breite Teile des Publikums erreicht, er ist bürgerlich geworden; was sich unter anderem auch an wachsender Zustimmung für die Grünen ablesen lässt. Der Ausstieg aus der Kohleförderung ist mehrheitsfähig geworden. Im Rheinischen Revier haben unzählige Menschen bei klirrender Kälte übernachtet; das war keine Happening-Veranstaltung, sondern ein Treffen von zumeist jungen Menschen mit einem sehr ernsthaften Anliegen.

Schwierig wird das Ganze allerdings, wenn Initiatoren wie „Ende Gelände“ selbst die Regeln für ihren Protest aufstellen. Wenn sie Straftaten billigend in Kauf nehmen, wenn sie einen „zivilen Ungehorsam“ geradezu einfordern. Wenn sie festlegen, dass an diesem Wochenende zum Beispiel, Hausfriedensbruch ein probates Mittel sei. Dafür gibt es keine moralische und erst recht keine gesetzliche Legitimation.

Nebenbei kostet es der anwachsenden Bewegung auch Sympathien, denn Verständnis zum Beispiel für eine Überquerung einer sicherheitshalber gesperrten Autobahn kann es nicht geben. Zunehmend reagieren Anlieger genervt auf die Auseinandersetzungen. Die Regeln des Zusammenlebens sind im Gesetzbuch und nicht in der Charta von Aktionsbündnissen verankert.

Wenn permanent der gesetzliche Rahmen verschoben wird, fallen auch Hemmungen. Hemmungen, Personen und Eigentum zu attackieren, sich auch im Ton zu vergreifen. Diesen Trend gibt es bereits. In den letzten Wochen hat es eine zunehmende Radikalisierung zwischen Befürwortern und Gegnern des Braunkohleabbaus gegeben. In den Sozialen Medien tobt bereits der Mob, Aufruf zu Gewaltandrohung inklusive. Das ist der gefährliche Nährboden, der entstanden ist.

Mehr von Aachener Nachrichten