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Kommentar zu Baulandpreisen: Deutschland braucht eine Bodenreform

Kommentar zu Baulandpreisen : Deutschland braucht eine Bodenreform

Bauland lässt sich nicht vermehren, jedenfalls nicht in den Städten. Weil das Leben in den regionalen und überregionalen Metropolen Deutschlands attraktiv ist, steigen die Grundstückspreise derzeit exorbitant. Der spekulative Baulandhandel kommt hinzu.

Bis zu 80 Prozent der Neubaukosten einer Wohnung gehen in München inzwischen allein auf den Landerwerb zurück, in Berlin sind es 50 Prozent. Mit dem Ergebnis, dass auch die Neubaumieten immer weiter steigen. Der jüngst verstorbene frühere Bauminister und SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel hat im letzten Jahr eindringlich gemahnt, die Politik solle sich dieses Themas widmen, es sei der Schlüssel für die soziale Stadt. Geschehen ist so gut wie nichts.

Dabei kann der Staat die Spirale leicht durchbrechen – indem er Grundstücke vom freien Markt nimmt. Solche, über die er ohnehin verfügt, etwa alte Industrie- oder Bahnflächen. Und alle, die erst durch kommunale Entscheidungen neu zu Bauland werden. Selbst in CDU-geführten Regionen wird schon praktiziert, dass die Kommunen solche Flächen zu einem niedrigen Preis von den Besitzern aufkaufen, erschließen und dann ohne Spekulationsgewinne an die Erwerber weitergeben. Mit Enteignung hat das nichts zu tun, wohl aber mit kommunalpolitischer Weitsicht. Und mit dem Verhindern von leistungslosen – und meist sogar steuerfreien – Gewinnen einiger weniger zu Lasten vieler.

Allerdings sind die Grundstücke hinterher doch wieder in Privatbesitz. Sie auf Dauer nur in Erbpacht zu vergeben, damit auch in 100 Jahren damit nicht mehr gehandelt werden kann, wäre die noch weitsichtigere Lösung. Deutschland braucht eine Bodenreform. Mindestens in den Großstädten. Sonst werden sie für normale Menschen bald nicht mehr bezahlbar, weder für Mieter noch für Käufer. Dann kaufen nur noch Millionäre bei Millionären.