Kommentar zum Kinderbuch: Das Wunder Lesen

Kommentar zum Kinderbuch : Das Wunder Lesen

Lesen ist ein großes Wunder, hat die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach mal gesagt. Das klingt etwas pathetisch, doch Recht hat sie. Lesen bildet, Lesen macht laut Studien empathischer, und es soll sogar das Leben verlängern.

Beschriebene Seiten Papier können wirklich wahre Wunder vollbringen. Gerade Kinderbücher sind deshalb so wichtig, weil sie den Weg eines jeden zu Büchern und zum Lesen ebnen.

Jeder fünfte Viertklässler kann laut Iglu-Studie nicht richtig, sprich: sinnerfassend, lesen. Die betroffenen Kinder sehen die Wörter, sie nehmen diese wahr und reihen sie aneinander, nur ergeben sie keinen Sinn. Das ist erschreckend. Diese Kinder werden als Erwachsene nämlich funktionale Analphabeten. Und das ist bedauerlich, denn es ist mitnichten so, dass Kinder kein Interesse an Büchern haben. Zwar sank die Zahl der lesebegeisterten Kinder von 2001 von 76 auf derzeit 70 Prozent. Aber das ist kein schlechter Wert. Es handelt sich immer noch um die große Mehrheit der Kinder. De facto lesen Kinder, auch wenn sie chatten oder sich im Internet bewegen. Das Interesse ist also da, der Zugang zum Lesen aber fehlt offensichtlich.

Nicht in allen Familien werden Kinder an Bücher herangeführt. Studien belegen einen Zusammenhang zwischen der Bildung der Eltern und der Lese-Kenntnis von Kindern. Jede Kita und jede Schule sollte deshalb dringend eine Lese-Ecke oder eine Bücherei haben, mit den Kindern die Stadtbücherei besuchen. Gerade Kinder aus einkommensschwachen Familien könnten davon profitieren.

Wenn Kinder in der Schule sind, ist aber schon viel wichtige Zeit vergangen. Die Stiftung Lesen fordert zudem richtigerweise, dass Eltern ihren Kindern häufiger und früher vorlesen sollten. 55 Prozent der Eltern lesen Kindern im ersten Lebensjahr nicht regelmäßig vor, bei einem Drittel der Eltern ist das sogar bis zum dritten Lebensjahr der Fall, wie eine Umfrage zeigt. Vorlesen ist aus ganz verschiedenen Gründen wichtig. Rein wissenschaftlich hilft es bei der Sprachentwicklung der Kinder. 78 Prozent der Kinder, denen viel vorgelesen wird, fällt es leichter, selbst lesen zu lernen.

Neurowissenschaftler fassen es so zusammen: Ein Kind, das liest, wird ein Erwachsener, der denkt. Tatsächlich ist Vorlesen und das Reden über die Geschichten laut neueren Erkenntnissen ähnlich wichtig und prägend für die Entwicklung eines Kindes wie die soziale Herkunft. Eltern, die vorlesen, schenken ihren Kindern aber nicht nur die Chance auf eine höhere Intelligenz. Nein, sie schenken ihnen auch Zeit und wertvollen Input für ihre Seele.

Wer mit Karlsson tollkühn durch die Luft geflogen ist, mit dem kleinen Prinzen betrüblich einsam auf seinem Planeten war, mit Pippi und Ronja Abenteuer gemeistert oder mit Hanni und Nanni im Internat Streiche gespielt hat, von Mary Poppins erzogen wurde, mit Heidi in den Alpen und mit Alice im Wunderland war, hat Erinnerungen und Freunde fürs Leben.

Mehr von Aachener Nachrichten