Kommentar zur DSGVO : Betroffene hängen in der Luft

Kommentar zur DSGVO : Betroffene hängen in der Luft

Die Umsetzung von EU-Richtlinien gehört wohl zu den eher ungeliebten Aufgaben von Politik und Gesellschaft. Oft fallen die Betroffenen aus allen Wolken, wenn es heißt: In wenigen Wochen läuft die Frist ab. Das war jüngst bei der Datenschutzgrundverordnung so.

Und das ist nicht anders bei der Umsetzung der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie von 2013, die unter anderem die Akademisierung der Hebammenausbildung in Deutschland zur Folge hat.

Seit fünf Jahren wissen die Verantwortlichen im Bundesgesundheitsministerium, dass dies bis zum 18. Januar 2020 erfolgen muss. Doch bis heute wissen diejenigen, die es betrifft, nicht, worauf sie sich einstellen müssen.

Interessentinnen für den Beruf, der seit Monaten wegen des Personalmangels Schlagzeilen macht, hängen ebenso in der Luft wie die Ausbilderinnen in den Berufsfachschulen und die Träger dieser Schulen, die Hochschulen und die Geburtshilfeeinrichtungen.

Dabei müsste dringend dafür gesorgt werden, dass der Beruf attraktiv bleibt beziehungsweise wieder attraktiv wird. Denn die Geburtenzahlen steigen, schwangere Frauen und Mütter erwarten eine gute Betreuung vor, während und nach der Geburt.

Der Deutsche Hebammenverband fordert seit einigen Jahren eine Reform der Ausbildung. Denn Deutschland ist Schlusslicht bei der Akademisierung der Hebammenausbildung. In Deutschland ausgebildete Hebammen haben schon jetzt Probleme, in der EU einen Arbeitsplatz zu finden. Von Belgien über Malta bis Zypern werden Geburtshelferinnen auf akademischem Niveau ausgebildet. Nur in Deutschland nicht.

Es gibt in zwar Modellstudiengänge, in Nordrhein-Westfalen etwa in Bochum, und Aufbaustudiengänge, etwa an der Katholischen Schule Köln, aber das ist es dann. Abgesehen davon, dass Chancengleichheit auf dem innereuropäischen Arbeitsmarkt hergestellt werden muss, bedeutet eine Akademisierung der Ausbildung, dass diese den hohen Anforderungen an den Beruf gerecht wird. Schon jetzt müssen Hebammen über umfassende wissenschaftliche Kenntnisse aus verschiedenen Fachgebieten verfügen und arbeiten weitgehend selbstständig.

Beim Gehalt beziehungsweise bei Freiberuflerinnen bei der Vergütung spiegelt sich das jedoch bislang nicht wieder.

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