Kommentar zum Streit um Schadstoff-Grenzwerte: Behauptung ohne Belege

Kommentar zum Streit um Schadstoff-Grenzwerte : Behauptung ohne Belege

Zwei Juristen, drei Meinungen, heißt es im Volksmund. Für Ärzte darf das auch gelten. Und damit wirbeln sie im wahrsten Sinne des Wortes viel Staub auf. Schließlich sind immer mehr Diesel-Besitzer genervt von drohenden oder gar schon praktizierten Fahrverboten. Allerdings wäre es ein Missverständnis zu glauben, dass gut 100 deutsche Lungenmediziner nun ihre Rettung sind.

Natürlich kann man die These aufstellen, die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide seien Unsinn, weil für die Gesundheit ohne jede Bedeutung. Nur hat das mit einer wissenschaftlichen Betrachtung nichts zu tun, wenn es dafür keine stichhaltigen Belege gibt. Was die Lungenärzte anderen Fachleuten als Manko vorwerfen, bleiben sie selber schuldig. Stattdessen wird mit „Argumenten“ hantiert, wonach man zum Beispiel noch keinen Stickoxid-Toten gesehen habe. Dabei stirbt ein Raucher auch nicht am Zigarettenrauch selbst, sondern womöglich an einem Herzinfarkt, der allerdings auf den Tabakkonsum zurückzuführen ist.

Nun sind die Grenzwerte natürlich kein Naturgesetz, sondern von Menschen gemacht. Aber sie sind in der Vergangenheit immer wieder von Experten überprüft und durch wissenschaftlichen Sachverstand untermauert worden. Auch auf europäischer Ebene – und keiner hat sich an den Vorgaben gestört. Die Luftqualität ist dadurch nachweislich besser geworden. Dass Deutschland heute die Grenzwerte bei Feinstaub einhält, hat mit den Partikelfiltern zu tun, die bei Dieselfahrzeugen inzwischen Standard sind.

Bei den Stickoxiden kann das auch gelingen. Notwendig dafür sind allerdings keine Debatten über den vermeintlichen oder tatsächlichen Quatsch von Grenzwerten, sondern ein politischer Wille, der die Autoindustrie für eine wirksame Nachrüstung der Fahrzeuge in die Pflicht nimmt. Ob Lungenmediziner, die an dem Vorstoß beteiligt waren, tatsächlich in Straßen wohnen, die über dem Grenzwert liegen? Vielleicht würde ihre Haltung dann mehr überzeugen.

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