Kommentar zum Schulsystem: Am Ende ist es eine Geldfrage

Kommentar zum Schulsystem : Am Ende ist es eine Geldfrage

Jetzt wird es ernst: Im ersten Jahr im Amt konnte die neue NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer nicht viel falsch machen. Allein mit der Entscheidung, das unbeliebte „Turbo-Abitur“ abzuschaffen, machte sie Eltern glücklich. Doch ewig wird sich Gebauer darauf und auf dem Hinweis, was die Vorgängerregierung alles falsch gemacht hat, nicht ausruhen können.

Nun rückt das größere Problem in den Vordergrund: Der lange beklagte Lehrermangel wird immer dramatischer. Dass Gebauer mehr Seiteneinsteiger und Pensionäre beschäftigen und Gymnasiallehrer in die Sekundarstufe I schicken will, ist ein kreativer Ansatz, kann aber nur eine Notlösung sein. Ob ihre anbiedernde Kampagne — „Job mit Pultstatus. Gönn Dir.“ — den Lehrerberuf attraktiver macht, ist äußerst fraglich.

Auch wenn die Ministerin es ungern zugibt, liegt dem Lehrermangel ein Geldproblem zugrunde. Es fehlen Grundschullehrer und Lehrer der Sekundarstufe I. Beide werden schlechter bezahlt als Gymnasiallehrer. An den Gymnasien fehlen Lehrer in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Für einen Germanistikstudenten ist eine Stelle an einem Gymnasium als verbeamteter Lehrer ein Jackpot. Wer Chemie studiert hat, kann in der freien Wirtschaft aber mehr verdienen als an einer Schule.

Dass Geld eine Rolle spielt, zeigt der Vergleich mit anderen Bundesländern. NRW steht mit dem Problem nämlich nicht allein da. Bundesweit fehlen bis 2025 rund 200.000 Lehrer. Besonders betroffen sind Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Dort werden Lehrer nicht verbeamtet, und das mindert die Attraktivität des Standorts. Ob ein Kind in Dresden oder München zur Schule geht, sollte aber nicht über die Qualität der Lehre entscheiden. Ein Lehrer in Dresden ist nicht weniger wert als einer in Aachen. Es gibt viele Gründe, die dagegen sprechen, dass Schulpolitik Ländersache ist. Eine Zentralisierung der Bildungspolitik ist aber unpopulär. Vor allem, weil die Länder ihre Macht nicht abgeben wollen. Den Schülern indes würde es sicher dienlich sein.

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