Alice Weidel und die Parteispenden

Kommentar zur Parteispendenpraxis der AfD : Da staunt der „kleine Mann“

Rechtspopulisten pflegen bisweilen ein merkwürdiges Verhältnis zur Wahrheit. Donald Trump log zuletzt nach einer Analyse der „Washington Post“ im Schnitt acht Mal pro Tag. Vergleichbare Berechnungen liegen für die deutsche AfD bislang zwar noch nicht vor. Lohnenswert wäre die Fleißarbeit aber allemal: Man hat sich bereits zu sehr daran gewöhnt, dass Politiker der selbsternannten Alternative mit Halbwahrheiten und Lügen operieren, hetzen und schamlos Stimmung gegen die liberale Republik machen.

Der nun publik gewordene Spendenskandal hat das Zeug, das Bild der Partei auch bei der Wählerschaft zu erschüttern. Schließlich wollen Alice Weidel und Konsorten ganz anders sein als die „Etablierten“ – eine „Alternative“ eben. Moralisch wähnten sich die Rechten stets im Vorteil, wenn es um den Umgang mit Geld ging. Was hat man sich nicht an Tiraden gegen die „gierigen Altparteien“ anhören müssen! Nun stellt sich heraus: Die AfD ist kein Stück besser – im Gegenteil.

Im Wahlkreis von Parteichefin Alice Weidel hatten die zuständigen Kassenwarte jedenfalls kein Problem damit, eine Auslandsspende von insgesamt immerhin 130 000 Euro anzunehmen und gestückelt als Kleinbeträge zu verheimlichen – offenbar mit Kenntnis der Chefin, der die Brisanz angeblich nicht klar war. Das mag der ausgebufften Betriebswirtin und Unternehmensberaterin abnehmen, wer will. Klar ist: Es geht in diesem Fall um einen klaren Rechtsbruch, den die Partei später zu vertuschen suchte. Zu dem von Weidel selbst propagierten Image der „Sauberfrau“ will das nicht so recht passen. Zumal spannend sein wird, was über das Finanzgebaren der Partei und ihrer in der Schweiz gemeldeten Vorsitzenden in der Folge noch alles ans Licht kommen wird.

Einmal mehr zeigt sich in diesem Fall, wie fern von der eigenen Wählerschaft diese vorgebliche „Volkspartei“ doch ist. Dass die AfD eine Politik propagiert, die den „kleinen Mann“ finanziell nur schwächt, hat den Rechten bislang allerdings nicht geschadet. In dieser Disziplin sind sie schon so groß wie Trump: Im Zweifelsfall wird dreist gelogen. Und überhaupt: Vermutlich sind die Medien wieder an allem schuld.

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