Stolberg: Zwei Wochen putzen bei tropischen Temperaturen im Hallenbad

Stolberg: Zwei Wochen putzen bei tropischen Temperaturen im Hallenbad

Jemand hat den Stopfen gezogen im riesigen Schwimmerbecken des Stolberger Hallenbades. Nur kleine Pfützchen und dünne Rinnsale erinnern daran, dass das 25 mal 18 Meter große Becken normalerweise bis zum Rand mit Wasser gefüllt ist.

Aber da Sauberkeit höchste Pflicht ist im Schwimmbad, hat Lutz Gärtner, Betriebsleiter des städtischen Hallenbades, während der Herbstferien zur Grundreinigung im Bad aufgerufen. „Das gehört zu den Vorschriften. Einmal im Jahr ist hier Großputz angesagt”, erklärt er.

Und dabei werden auch die 1200 Kubikmeter Wasser aus dem Schwimmerbecken gepumpt. Etwa einen Tag dauert es, bis das Becken leer ist. Danach werden auch Nichtschwimmer- und Planschbecken zur Grundreinigung trockengelegt.

„Man kann sich das schon so vorstellen, wie bei einer vollen Badewanne, bei der man den Stopfen zieht. Das Abflussrohr ist nur deutlich größer”, sagt Lutz Gärtner und muss bei dem Gedanken grinsen. „Und: Das Ablassen des Wassers aus den drei Becken muss langsam und nach und nach geschehen, nur so kann der Kanal die Wassermassen bewältigen”, sagt er.

Schweißtreibend

Wer denkt, dass die Becken danach kurz mit dem Wasserschlauch abgespritzt und dann wieder befüllt werden können, der irrt. „Das ist schon ein bisschen schweißtreibender und zeitaufwendiger”, weiß Gärtner aus jahrelanger Erfahrung. Denn Beckenboden, Wände und Überlaufrillen müssen jetzt Quadratmeter für Quadratmeter gereinigt werden - gründlich und mehrfach wie Gärtner erklärt.

Das ist eine echte Plackerei, denn die Mitarbeiter arbeiten bei tropischen Temperaturen: Die Wärme, die die Schwimmbadbesucher an „normalen” Tagen genießen, herrscht auch während der Reinigungsarbeiten. Und als wäre das nicht schon anstrengend genug, müssen die Mitarbeiter neben Gummistiefeln auch noch Schutzkleidung tragen.

Da ist jeder Handgriff eine Anstrengung, obwohl die Putzutensilien und Hilfsmittel schon riesige Größendimensionen besitzen (statt einem Wassereimer nutzen die Mitarbeiter einen Hochdruckreiniger, anstelle des Putzschwamms den Schrubber). Aber so ein Schwimmbad hat schließlich auch gewaltige Ausmaße. „Geschrubbt wird nicht nur einmal”, sagt Gärtner und erklärt: „Wir reinigen zuerst mit sauren Mitteln, um den Kalk zu entfernen. Fette und Öle werden später mit alkalischen Mittel entfernt.”

Auch wenn man es vermuten könnte: Etwas Kurioses auf dem Beckenboden oder in den Überlaufbecken gefunden haben die Mitarbeiter des Bades bei der Grundreinigung noch nie. Gärtner erklärt warum: „Bei normalem Betrieb wird ja auch ständig gereinigt und kontrolliert. Zweimal pro Woche wird der Beckenboden mit einem Spezialgerät abgekehrt und gesaugt. Da findet man auch schon mal Schmuck - der ist bei der Grundreinigung schon längst geborgen”, sagt Gärtner.

Während die einen Mitarbeiter in den leeren Schwimmbecken in 3,80 Metern Tiefe schrubben, sind andere fünf Meter über dem Boden fleißig, reinigen den Sprungturm und das Edelstahlgeländer. Erst wenn alles in der Schwimmhalle blitzt und glänzt, wird das Wasser wieder in die Becken eingelassen - zuerst 1,2 Millionen Liter ins Schwimmerbecken. Natürlich nach Absprache mit dem Wasserwerk.

„Wenn wir das Wasser voll aufdrehen würden, dann gäben die Wasserhähne in Münsterbusch nur noch tropfenweise Wasser”, sagt der Betriebsleiter und schmunzelt. Und so dauert das Befüllen des großen Beckens satte drei Tage, das Aufheizen des Wassers auf angenehme 28 Grad Celsius noch einmal drei. Erst danach werden auch Nichtschwimmer und Planschbecken wieder befüllt.

Und während das Frischwasser aus den Leitungen in die Schwimmbecken fließt, nehmen sich die Mitarbeiter die Duschen und Kabinen vor. Und natürlich die Kellerräume - das Herz und die Steuerungszentrale des Bades, in der Filteranlagen und die Überwachung der Wasseraufbereitung untergebracht sind. „Auch hier wartet jede Menge Arbeit auf uns. Dazu gehören Dinge, die bei laufendem Betrieb kaum zu bewältigen sind”, erzählt Gärtner.

„Es ist viel zu tun, am Abend spürt man schon die Knochen”, sagt Jessica Kaster, Fachangestellte für Bäderbetriebe. Aber auch sie möchte, dass sich die Besucher wohlfühlen im Hallenbad am Glashütter Weiher.