Närrische Nachwuchsprobleme : Zwei Stolberger Karnevalsgesellschaften lösen sich auf

Närrische Nachwuchsprobleme : Zwei Stolberger Karnevalsgesellschaften lösen sich auf

Da waren's nur noch Elf: Besucht man die Internetseite des Karnevalskomitees der Stadt Stolberg, sind dort aus 13 dem Komitee angeschlossenen Gesellschaften in 2018 inzwischen 12 geworden. Aber auch dies ist nicht mehr aktuell. Denn Stolberg verliert neben einem noch jungen Verein jetzt auch die bis dato älteste Karnevalsgesellschaft im Stadtgebiet, die nun offiziell die 1928 gegründete KG Büsbach ist.

Damit schrumpft die Anzahl der Komitee-Gesellschaften auf närrische elf, und insgesamt gibt es in Stolberg noch 18 karnevalistische Vereine sowie einige jecke Interessengemeinschaften und Untergruppierungen.

Inaktive Karnevalsgemeinschaften

Zunächst hat die 2010 gegründete KG Erste Stolberger Bürgerwehr Ende Oktober vergangenen Jahres bei einer Mitgliederversammlung den Beschluss gefasst, den Verein aufzulösen. „Das Problem der Vorstandsmannschaft kann man so auf den Punkt bringen: zu viele Aufgaben und zu wenig Zeit“, beschreibt René Cohsmann, ehemaliger Präsident der KG. Die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen, sei nicht möglich gewesen. „Dafür haben sich einfach keine Leute gefunden, so dass die logische Konsequenz für uns die Vereinsauflösung war“, erklärt Cohsmann.

Ein Schicksal, dass wenig später auch die CG Schevenhütte traf. 1882 gegründet, als Karneval noch mit C geschrieben wurde, blickt die Carnevalsgesellschaft Schevenhütte auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Jahrzehntelang war die CG in eine Art „karnevalistischen Dornröschenschlaf“ gefallen und inaktiv. Bereits 1946 aber nahmen Schevenhütter am Karnevalszug in Eschweiler teil. Den dörflichen Karneval am Wehebach belebte eine Interessengemeinschaft um Johannes Mathar in den 1960er Jahren. Und 1996 war es dann soweit, und die CG wurde von den „Höttern“ aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt.

Auch dieses Bild gehört der Vergangenheit an, denn die KG Erste Stolberger Bürgerwehr gibt es nicht mehr. Foto: Dirk Müller

Doch zwei Jahrzehnte später feierte die CG ihre letzte Dorf- und Kostümsitzung unter dem Motto „Finale Carnevale“. Nach dieser 2016er-Sitzung beendeten sowohl Vorstandsmitglieder, als auch Tänzerinnen ihre aktiven Laufbahnen, und die CG verfiel diesmal in einen Halbschlaf. Es war das Ende des Sitzungskarnevals in Schevenhütte. Die CG existierte weiterhin und war quasi „auf Stand-by“, um weiterhin wenigstens den einzigen Veilchendienstagszug in Stolberg auszurichten. „Aber auch dafür fehlte uns letztendlich schlichtweg der Nachwuchs“, sagt Arne Holz, letzter Vorsitzender der CG Schevenhütte.

Organisation, Zugleitung und Wagenbau seien für die wenig aktiv im Verein verbliebenen Mitglieder nicht mehr zu stemmen gewesen. „Das Interesse an unserem Karnevalszug war da, aber es hat an der Zeit oder Bereitschaft gemangelt, auch tätig zu werden“, erläutert Holz.

Als Folge zog die „Rest-CG“ die Konsequenzen und beschloss bei einer Versammlung im Dezember 2018, den Verein aufzulösen.

Weiterhin Veilchendienstagszug

Wobei das Ende der CG nicht das Ende des Veilchendienstagszugs bedeutet, denn dieser schlängelt sich weiterhin durch das Schevenhütter Wehebachtal. Mit dem Fußballverein BSC Schevenhütte hat sich nämlich ein neuer Ausrichter für den jecken Umzug gefunden. „Wir sind gerne eingesprungen, um das Schevenhütter und Stolberger Kulturgut des Veilchendienstagszugs zu bewahren. Dankenswerter Weise werden wir dabei von dem alten Vorstand der CG mit Rat und Tat nach Kräften unterstützt“, betont Patrick Schuster, Vorsitzender des BSC.

Die ersten Zusagen von Zugteilnehmern aus dem Ort und benachbarten Stadtteilen seien bereits eingegangen, und wer bei dem finalen närrischen Lindwurm im Stolberger Stadtgebiet dabei sein möchte, könne sich gerne noch anmelden.

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