Zu Fuß nach Rom gepilgert

Interview zum Wochenende : Zu Fuß von Aachen nach Rom gepilgert

Von August bis Ende Oktober 2018 machte sich Dr. Werner de Fries von Aachen zu Fuß auf nach Rom. Im Interview mit unserer Mitarbeiterin Marie-Luise Otten erzählte er, welche Strecke er zurücklegte, wo er übernachtete und welche Erkenntnisse er aus dieser Pilgerwanderung gewonnen hat.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, so eine lange Wanderung zu machen?

De Fries: Vor zehn Jahren ist mir die Idee gekommen, einmal in meinem Leben eine lange Pilgerwanderung zu machen. Als ich dann Ende 2017 in den Ruhestand ging, habe ich gleich den 1. August 2018 festgelegt, die Wanderung am Aachener Dom zu beginnen.

Warum von Aachen bis Rom?

De Fries: Jerusalem war mir zu weit und Santiago de Compostela zu überlaufen.

Was war der Grund für Ihre Wanderung?

De Fries: Ich hatte weder eine Lebenskrise noch einen Burnout, und auch der sportliche Aspekt stand nicht im Vordergrund. Es war ein schöner Übergang von einem langen Berufsleben in einen neuen Lebensabschnitt und viel Zeit, nachzudenken.

Wie viele Kilometer haben Sie zurückgelegt, wie viele Tage waren Sie unterwegs und wie viel Ruhetage gab es?

De Fries: Von Aachen bis Rom waren es circa 1900 Kilometer. Ich bin an achtzig Tagen gewandert und habe mir drei Ruhetage in Mainz, Straßburg und am Lago di Bolsena in Latium gegönnt.

Wie viele Kilometer haben Sie im Durchschnitt zurück gelegt?

De Fries: Im Durchschnitt waren es 25 Kilometer pro Tag.

Haben Sie auch einen Pilgerpass? Wenn ja, wie viele Stempel sind darin?

De Fries: Ja, mit 85 Stempeln.

Welche Routen sind Sie gelaufen?

De Fries: Von Aachen ging es über Eschweiler und Buir nach Köln, dann den Rheinradweg linksrheinisch über Mainz, Worms, Speyer, Straßburg bis Basel. Durch die Schweiz über Biel bis Lausanne am Genfer See, von wo ich dann der Via Francigena gefolgt bin. Vom Genfer See also weiter über den Großen St. Bernhard-Pass ins Aostatal durch die Po-Ebene bis nach Piacenza, über den Gebirgszug Apennin nach Lucca, Siena und dann Rom.

Was ist das Besondere an der Via Francigena?

De Fries: Dieser Große Kulturweg verbindet die Stadt Canterbury in Großbritannien mit der Hauptstadt Italiens und führt über Frankreich und die Schweiz nach Italien bis zum Petersplatz. Im Jahr 1000 gingen bereits die ersten Canterbury-Pilger diesen Weg nach Rom. Lausanne ist dabei der mittelalterliche Kreuzungspunkt der beiden Pilgerrouten Via Francigena und Jakobsweg.

Welchen Höhenunterschied hatten Sie zu bewältigen?

De Fries: Ich weiß es nicht und habe keine Vorstellungen.

Wie haben Sie sich vorbereitet? Mussten Sie sich einlaufen dafür?

De Fries: Nein. Nach der Verrentung habe ich die Erledigungen alle zu Fuß gemacht, auch wenn es weitere Strecken waren und bin im Urlaub viel gewandert. Im Juni 2018 bin ich drei Tage über Heimbach mit meinem Rucksack an den Rhein gewandert. Ansonsten habe ich mich auf dem Rennrad fit gehalten.

Waren Sie alleine unterwegs?

De Fries: Bis Lausanne habe ich meinen eigenen Weg gesucht und war die ganze Zeit alleine. Ab Lausanne war ich zeitweise mit anderen Pilgern zusammen und habe neue Kontakte geknüpft. Eine Herausforderung war für mich, dass ich neben Englisch auch meine Kenntnisse in Französisch anwenden konnte.

Wo haben Sie übernachtet?

De Fries: Bis Lausanne habe ich in meinem mitgeführten Zelt auf Campingplätzen oder in der freien Natur sowie in Jugendherbergen übernachtet. Ab dem eigentlichen Pilgerweg dann in Unterkünften von Pfarreien oder Klöstern.

Wie viel Gepäck hatten Sie dabei?

De Fries: Mein Gepäck war spartanisch. Bis Lausanne war ich mit dreizehn Kilogramm unterwegs. Mein Zelt und die Schlafmatte habe ich dann von hier zurückgeschickt, so dass ich nur noch mit zehn Kilo Gepäck weiter gezogen bin.

Gab es auch Möglichkeiten, Ihre Wäsche zu waschen?

De Fries: Ja, meistens in Waschbecken und nur selten in Waschmaschinen.

Wie war das Wetter unterwegs?

De Fries: Bis auf zwei halbe Regentage war das Wetter wie überall tierisch heiß, zwischen dreißig und vierzig Grad.

Wie viele Blasen haben Sie gelaufen und/oder welche anderen Krankheiten haben Sie sich zugezogen?

De Fries: Am Anfang hatte ich gleich eine Blase am Fuß, die mich aber nicht weiter beeinträchtigt hat. Zum Glück blieb ich sonst verschont: keine Knieprobleme, keine sonstigen Erkrankungen. Auch deswegen hatte ich nie einen psychischen Durchhänger.

Hatten Sie auch Zeit für Besichtigungen unterwegs?

De Fries: Ja, selbstverständlich. Ich habe mir viele kleine und große Kirchen angeschaut, sofern sie offen waren.

Was blieb am Ende der Reise hängen?

De Fries: Es war eine gute Erfahrung, einmal über einen längeren Zeitraum hin auf sich alleine gestellt zu sein und nicht zu wissen, wo mich die nächste Nacht hinführt. Das Reduzieren auf das Wesentliche und den kleinen Dingen mehr Aufmerksamkeit schenken. Ein Ziel zu haben und schrittchenweise darauf zuzugehen. Die Menschen unterwegs waren sehr hilfsbereit und das unabhängig von Nationalität oder Religion. Bei dem heißen Wetter wurden mir oft Getränke angeboten, und ich habe viele interessante Gespräche führen dürfen. Hilfreich war, dass ich meist alleine unterwegs war.

Was ist Ihnen am Ziel durch den Kopf gegangen?

De Fries: Keine überschwängliche Freude. Ich war einfach nur glücklich, zufrieden und dankbar.

Haben Sie noch weitere Tage in Rom verbracht?

De Fries: Etwa drei Wochen vor Ankunft konnte ich bereits absehen, dass ich Rom am Montag, den 22. Oktober, erreichen würde. Meine Frau hat dann gleich einen Flug und ein Zimmer gebucht, sodass wir noch vier weitere Tage dort geblieben sind. Mittwoch war dann Papstaudienz. Als Pilger wurde mir auf Antrag ein besonderer Platz in der Nähe des Papstes zugewiesen, worauf ich sehr stolz bin. Das war natürlich ein toller Abschluss meiner Wanderung.

Wie sind Sie nach Hause gekommen?

De Fries: Zusammen mit meiner Frau und einem Flieger bis Düsseldorf.

Können Sie sich vorstellen, noch andere Pilgerwege zu wandern?

De Fries: Ich bin schon sehr viel in der Eifel, auch auf Mehrtagestouren, gewandert. Der Matthiasweg von Aachen nach Trier würde mich noch interessieren, weil er entlang des Deutsch-Belgischen Naturparks führt. Mal schauen...

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