Stolberg: Zehn Jahre vergehen bis zur Expansion

Stolberg : Zehn Jahre vergehen bis zur Expansion

Weitblick haben müssen Unternehmen, wenn sie expandieren wollen. Insbesondere dann, wenn das Betriebsgrundstück in einer Lage ist, die eine Erweiterung nicht einfach macht. Zehn Jahre nach dem ersten Vorstoß greift nun die Bauunternehmung Gebrüder Kutsch ihre Erweiterungspläne auf, mit der die Betriebsstätte arrondiert, sicherer und leiser werden soll.

„Im Grunde genommen erfüllen wir nur den städtebaulichen Vertrag mit der Stadt und bauen eine Lärmschutzwand in Form einer Halle“, sagt Geschäftsführer Helmut Kutsch.

Bis Ende des Jahres soll eine Halle für den Fuhrpark das Grundstück zum Naherholungsgebiet abriegeln. Foto: J. Lange

Aber alleine schon das Zustandekommen dieses Vertrages hat dem Unternehmer in der Vergangenheit viele Nerven gekostet. Stolberg schreibt den Oktober 2006, als der Ausschuss für Stadtentwicklung den Einstieg in die Bauleitplanung beschließt — gegen die Stimmen der Grünen. Sie wenden sich von Anfang an gegen einen Eingriff in die geschützte Heidelandschaft.

Möchte jetzt die Betriebshalle als Lärmschutz für die Velau errichten: Unternehmer Helmut Kutsch. Foto: Harald Krömer

Sie ist im Laufe der Zeit entstanden auf den Rückständen der Produktion der Zinkhütte und Grube Birkengang, die Ende der 80er Jahre rekultiviert und zu einem Naherholungsgebiet der Velau wurde. Anwohner gehen dort mit ihren Hunden Gassi, Mountainbiker und Kradfahrer nutzen die schmalen Wege durch das hügelige Gelände, in dem sich typische Fauna und Flora angesiedelt hat.

Den beiden Unternehmen, neben dem Tiefbauunternehmen Gebrüder Kutsch die Druckerei Leufgens, an der Straße „Am Birkenfeld“ bleibt im voll gelaufenen Gewerbegebiet aber nur die Möglichkeit in Richtung Heide, um die Firmen nachhaltig für die Zukunft aufstellen zu können. Ihnen geht es um einen eher schmalen Streifen entlang der Grundstücksumzäunung. Im April 2008 einigen Stadt und Unternehmen sich auf einen Kompromiss: Die Erweiterungsfläche wird — erneut gegen die Stimmen der Grünen — von 1,7 auf 0,9 Hektar reduziert, ein etwa 15 Meter breiter Streifen.

Sie sind es auch, die eine Bürgerinitiative unterstützen, die sich in der Velau gründet. Sie hat sich den Erhalt des Grüns auf die Fahnen geschrieben und das Tiefbauunternehmen ins Visier genommen: Lärm und Staub vom Betriebslager, auf dem Kutsch seine Fahrzeuge und Arbeitsgerät abstellt, sorgen auf einmal für Wirbel.

Der Unternehmer spricht Klartext: „Wenn ich meine Betriebsstätte am Birkenfeld nicht erweitern kann, werde ich mit meinem Unternehmen Stolberg verlassen“, erklärt er im Mai 2008 gegenüber unserer Zeitung. Seit der Ansiedlung im Birkenfeld im Jahre 1994 hat sich der Personalbestand um 30 Prozent, der Maschinenpark um 80 Prozent erhöht.

Die Firma Gebrüder Kutsch ist im Hoch- und Tiefbau, in der Altbausanierung und im Industriebau tätig; außerdem stehen die Stolberger als Fachleute im Bereich Umwelt- und Brandschäden rund um Uhr bereit, um Feuerwehr und Polizei bei Notfällen zu unterstützen. Im Rahmen von Bürgerbeteiligungen und Diskussionsrunden geht die Debatte weiter. In ihrem Rahmen wird eine weitere Lösung gefunden. Anstelle der zunächst angedachten Lärmschutzwand möchte das Unternehmen eine Halle errichten, die Emissionen noch besser schluckt.

Auf dieser Basis geht es im April 2009 in die Abwägung der Einwendungen aus der Offenlage. Aber nach einem Personalwechsel bei den Grünen und aufgrund der schwierigen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat mit SPD, CDU, FDP, UWG, ABS, NPD und DVU kommt es zu einem Patt. Hinzu kommen die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise. Die Expansionspläne werden zurückgestellt und erst wieder im Sommer 2011 aufgenommen.

Im Dezember stimmte der Stadtrat — einstimmig — sowohl der Bauleitplanung wie auch den städtebaulichen Verträgen mit den Unternehmen und den Grundstücksverkäufen an sie zu: 5663 m2 für die Druckerei und 1897 m2 für das Bauunternehmen. Nach der Zustimmung der Bezirksregierung wird im September 2012 der Bebauungsplan rechtskräftig. Jetzt packt Helmut Kutsch den Bau der Halle an.

„Der beantragte Neubau der Lagerhalle mit Kranbahn überschreitet bezogen auf die im Bebauungsplan festgesetzte Straßenerschließung die Maximalhöhe des Gebäudes um ca. 1,27 Meter an der tiefsten (nordwestlichen) und ca. 2,64 Meter an der höchsten (südöstlichen) Seite des geplanten Gebäudes“, schreibt Tobias Röhm in seiner Vorlage für den am Mittwoch tagenden Ausschuss für Stadtentwicklung, der die entsprechende Befreiung erteilen soll. „Es bestehen keine planungsrechtlichen und städtebaulichen Bedenken gegen das geplante Vorhaben“, empfiehlt der Technische Beigeordnete die Zustimmung.

Es sind technische Gründe, die die Halle etwas höher werden lassen. Sie soll einen fahrbaren Kran erhalten. „Unmittelbar nordöstlich angrenzend sind bei ansonsten gleichen Festsetzungen Bebauungshöhen von sogar elf Meter möglich bei einer sehr ähnlicher Geländetopografie, klärt Röhm auf.

Zum Schutz der Anwohner wird zudem die neue Halle dreiseitig geschlossen und überdacht ausgeführt, so der Beigeordnete weiter. Dadurch, dass die Halle genau auf der Grenze geplant und hier geschlossen ausgeführt werde, ersetzen die Außenwände die hier geforderten Lärmschutzwände. „Durch die höhere Ausführung wird auch insgesamt ein höher Schall- und Staubschutz für die Anwohner erzielt“, sagt Röhm.

Mit ihrem Bau werden nicht nur die Forderungen zum Emissionsschutz aus dem mit der Stadt geschlossenen städtebaulichen Vertrag erfüllt und die Betriebsabläufe des Unternehmens optimiert, sondern auch das Grundstück weiter eingeschlossen. „Vandalismus und Diebstahl machen uns hier immer mehr zu schaffen“, sagt Helmut Kutsch. Der Bau der neuen Halle schließt somit auch das Gelände weiter ab und dient somit auch der Sicherheit.

Begonnen hat das Unternehmen damit, die Böschung für die Erweiterung herzurichten, wozu nur sauberes Erdreich verwendet werden darf. Angesichts der Witterung sind derzeit entsprechende Baustellen, von denen der Aushub genutzt werden kann, aber eher selten anzutreffen. Mit dem Hallenbau einher gehen umfangreiche ökologische Ausgleichsmaßnahmen, die bereits mit Forstamt und Landschaftsbehörde abgestimmt sind. „Es wird nicht lange dauern, dann ist die Halle zugewachsen und vom Heidegebiet aus nicht mehr zu sehen“, sagt Kutsch.

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