Stolberg: Wohnzimmer-Atmosphäre und Sicherheit im Kreißsaal-Zentrum

Stolberg : Wohnzimmer-Atmosphäre und Sicherheit im Kreißsaal-Zentrum

An den 20. April wird sich Dirk Offermann, Geschäftsführer des Bethlehem-Gesundheitszentrums, wohl noch lange zurückerinnern. Gegen 15 Uhr wurde an diesem Tag das neue Kreißsaal-Zentrum in Betrieb genommen. Nur wenige Stunden später — genauer gesagt um 17.27 Uhr — erblickte dort das erste Kind das Licht der Welt.

„Plötzlich ging alles ganz schnell“, sagt Offermann und lacht. Am Mittwochnachmittag wurden die sechs neuen Kreißsäle nun offiziell eingeweiht und eingesegnet. Und das war wohl eher eine schwere Geburt.

Bereits vor sechs Monaten sollte es eigentlich schon soweit sein. Doch es gab einige unerwartete Schwierigkeiten. Erst wurde die europaweite Ausschreibung des Baus verlängert, Mitte August des vergangenen Jahres gab es dann einen Wasserschaden und zu guter Letzt kam es — aufgrund der aktuellen Auftragslage in der Baubranche — dann auch noch zu längeren Lieferzeiten und Engpässen bei der Terminkoordination. „Ich hoffe, dass es in Zukunft eine deutlich trockenere Phase in den Kreißsälen gibt“, meinte Offermann in seiner Ansprache.

Doch auf das Thema Wasser ist beim Neubau nicht ganz verzichtet worden. Zwei der insgesamt sechs Kreißsäle verfügen über Gebährbadewannen. Individualität soll bei der Geburt eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören nicht nur Schlingen, Sprossenwände, Petzibälle und Geburtshocker, die zur Entbindung genutzt werden können.

Genaue Vorstellungen

Auch die Betten, die bis zu 235 Kilogramm aushalten, können für verschiedene Geburtsstellungen genutzt werden. Und damit nicht genug. Die werdende Mutter kann zudem selbst entscheiden, in welchem Licht und zu welcher Musik sie ihr Kind auf die Welt bringen möchte. „Wir wollen damit eine Art Wohnzimmer-Atmosphäre schaffen“, sagt Dr. Uwe Heindrichs, Chefarzt der Stolberger Geburtsklinik.

Er und seine Kollegen haben die Erfahrung gemacht, dass werdende Eltern meist ganz genaue Vorstellungen von der Geburt haben. „Sie möchten eine natürliche Hausgeburt mit dem Team, dem sie vertrauen, und der entsprechenden Sicherheit.“ Für ein Krankenhaus sei die Erfüllung dieser Wünsche zwar keine einfache Aufgabe gewesen, aber das sei kein Widerspruch. „Das ist auch unser Ziel als Behandler“, so Heindrichs weiter. Dazu gehört unter anderem auch, dass die Technik dezent integriert worden sei.

So sind die CTG-Geräte beispielsweise kabellos. Auf Monitoren können Ärzte und Hebammen sehen, wie es Müttern und Kindern in den anderen Räumen geht. „Es ist wichtig, dass die Patientinnen sich wohl fühlen, aber die Sicherheit muss immer im Vordergrund stehen“, so Dirk Offermann. Auch an die Nachbarn habe man beim Neubau gedacht. Eine Dreifach-Verglasung soll sie vor Lärm schützen. Durch eine integrierte Lüftungs- und Klimaanlage müssten auch die Fenster nicht mehr geöffnet werden.

Alleine im vergangenen Jahr fanden im Stolberger Bethlehem-Krankenhaus 1671 Geburten statt. In diesem Jahr gab es bisher 574 Geburten — 40 mehr als noch im Jahr zuvor um die gleiche Zeit. Offermann und Heindrichs sind guter Dinge, dass die 1800-Geburten-Marke in diesem Jahr noch erreicht wird.

Ganz fertig ist das neue Kreißsaal-Zentrum aber noch nicht. In einem zweiten und dritten Bauabschnitt entstehen Aufenthaltsräume für das Personal, Lagerräume, ein Hebammen-Stützpunkt und ein Reanimationsraum. Zudem soll eine kleine Terrasse entstehen. „Bis Ende August sollen die Arbeiten abgeschlossen sein“, so Offermann.

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