Wohnquartier Stolberg: Frühzeitige Beteiligung der Bürger an Planung

Neues Wohnquartier : Das wohl letzte Filetstück in Breinig

Mitten in Breinig läuft die Planung für das vermutlich letzte größere Neubaugebiet im Ort. Auf einer Wiese an der Raiffeisenstraße sollen 20 Eigenheime gebaut werden. Die Bürger werden nun am Vorentwurf beteiligt.

Breinig ist Stolbergs beliebteste und teuerste Wohngegend. Auf rund 330 Euro pro Quadratmeter ist mittlerweile der Bodenrichtwert geklettert. Zum Vergleich: Büsbach auf Platz 2 des innerstädtischen Rankings hinkt mit 205 Euro/m2 deutlich hinterher. Während es aber im „Barenland“ zumindest noch Potenzial für neues Bauland gibt, sind in Breinig kaum noch bebaubare Grundstücke in Sicht.

Im Steg und an der Buttergasse sind die Versuche, Baugebiete auszuweisen bislang an Vorkommen des Steinkauzes gescheitert. Der Rest des Stadtteils grenzt nahezu überall an Landschafts- oder Naturschutzgebiete. Sieht man von einzelnen Grundstücken einmal ab, die noch bebaut werden können, hat man eigentlich nur noch eine Chance auf ein neues Eigenheim in Breinig. Und die liegt auch noch zentral mitten im Ort.

„Wohnen an der Raiffeisenstraße“ ist der Bebauungsplan überschriebe, der eine rund 7000 Quadratmeter große Wiese in einen kleinen Wohnpark verwandeln soll. Sie liegt hinter der Bebauung von Raiffeisen- und Wilhelm-Pitz-Straße, wird von der Trasse der Euregiobahn sowie den Gärten der Bebauung am Pampütz begrenzt.

Bei dieser Lage ist es kein Wunder, dass für ein solches städtebauliches Filetstück vielfältige Vorstellungen in der Vergangenheit verfolgt worden waren. Um die Jahrtausendwende wollte sich Aldi in Kombination mit einem anderen Markt auf dem Grundstück ansiedeln, weil eine Entwicklung auf dem ehemaligen Zirkusstandort an der Stockemer Straße gescheitert war. Penny machte dort das Rennen.

Foto: grafik

Aber auch an der Raiffeisenstraße kamen Aldi  Co. nicht zum Zuge. Die einzig realistische Zufahrt zum Areal liegt nahe einer nur schwer überschaubaren Kurve dieser Landesstraße 12. Sie erschien zu verkehrreich, um das erwartete Verkehrsaufkommen durch Kunden abwickeln zu können. Bei den nun geplanten 20 Häusern dürfte das kaum ein Problem sein.

Vor dem Aldi-Projekt hatte der Eigentümer des Grundstückes auch schon einmal das angedacht, was er anschließend realisierte: 2004 wurde der Bebauungsplan Nr. 138 „Brammersbenden“ rechtskräftig, der den Bau eines Altenpflegeheims auch heute noch ermöglicht.

Fünf zweigeschossige Pavillons mit Dachgeschoss für 80 Pflegeplätze sollten in einem kleinen Park entstehen. Realisiert wurde dieser Plan nie, und ein Seniorenwohn- und -pflegeheim ist derweil an Alt Breinig neben dem Friedhof gebaut worden. Damit ist die Wiese quasi frei für eine andere Nutzung. Über die bestehende Bauleitplanung soll nun der neue Bebauungsplan Nr. 172 „Wohnen an der Raiffeisenstraße“ gelegt werden. Im Wesentlichen orientiert sich die neue Planung an den alten Festsetzungen. Die spätere Satzung soll die frühere überlagern, ohne dass es dazu eines förmlichen Aufhebungsbeschlusses für den bestehenden Bebauungsplan bedarf. Der Bebauungsplan Nr. 138 soll weiter gelten, falls der ersetzende Bebauungsplan Nr. 172 nicht zustande kommen sollte.

Mittlerweile hat die Breiniger Woba den Vorentwurf für das neue Wohnquartier fertiggestellt. Das Konzept sieht aktuell zwölf Grundstücke für Doppelhaushälften sowie acht Grundstücke für Hausgruppen vor. Entlang der Haupterschließung sind die sechs Doppelhäuser und an der Stichstraße zwei Hausgruppen mit jeweils vier Häusern vorgesehen. Die Gärten orientieren sich an einer möglichst guten Ausrichtung zur Sonne.

Artenschutzprüfung ist erfolgt

Wie bereits bei der rechtskräftigen Planung, die sich am Umfeld orientiert, sollen die geplanten Häuser zweigeschossig mit einem zusätzlichen Dachgeschoß als Nichtvollgeschoß sein. Bereits vorgenommen wurde eine Artenschutzvorprüfung; demnach sind planungsrelevante Tierarten auf dem Gelände nicht zu erwarten. Wegen fehlender Gehölzbestände sei die Wiese auch für typische Gartenvögel nicht als Brutplatz interessant.

Eine vertiefende Untersuchung erübrige sich, berichtet die Stadtverwaltung. Ein Lärmgutachten soll noch Auskunft geben über die Immissionssituation durch Landesstraße und Euregiobahnlinie. Mit hoher Wahrscheinlichkeit seien passive Schutzmaßnahmen ausreichend, die bereits im Falle einer massiv ausgebildeten Außenwand sowie durch den Einbau geeigneter Wärmeschutzfenster nach der aktuellen Energieeinsparverordnung gesichert seien.

Einstimmig beauftragte der Ausschuss für Stadtentwicklung die Verwaltung mit der frühzeitigen Beteiligung der Bürger an der Planung.