Stolberg: Wenn Roboter die Alten „versorgen“

Stolberg: Wenn Roboter die Alten „versorgen“

Es ist schon etwas besonderes, wenn ein Autorenpaar rund 750 Kilometer zurücklegt, um in der Stolberger Stadtbücherei eine Lesung abzuhalten. Aus Görlitz, der östlichsten Stadt Deutschlands, sind Susanne und Franz-Bernd Becker jetzt trotzdem in den westlichsten Teil der Republik gereist und haben in der Kupferstadt aus ihren drei Heimkrimis vorgelesen.

Wobei Franz-Bernd Becker natürlich die Gelegenheit nutzte, seiner alten Heimat einen Besuch abzustatten, denn er wurde 1955 in Breinig geboren.

Und er ist bis heute vielen Stolbergern bekannt, denn noch während er an der staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf studierte, gründete Becker 1976 mit dem Büsbacher Künstler Hartmut „Hacki“ Ritzerfeld die legendäre Venn-Akademie.

Eifelmaler

Mit Ritzerfeld, Win Braun und Emil Sorge bildete Becker ab 1988 die Gruppe der „Eifelmaler“. Franz-Bernd Becker ist aber auch examinierter Altenpfleger, und diesen Beruf übte er 1998 auf der Insel Sylt aus, wo er seine heutige Ehefrau Susanne kennenlernte. Gemeinsam schreibt das Paar Krimis mit teils skurrilen Charakteren. Die Romane spielen im Stift — einem Seniorenheim in einem fiktiven Ort in der Eifel.

Was durchaus autobiografische Züge hat: Franz-Bernd Becker machte eine Ausbildung zum Sozialbetriebswirt und Diakon, und wenn die Protagonisten der drei bisher erschienen Heimkrimis Leiter des Stifts und Pflegedienstleiterin sind, so spiegeln sich darin die tatsächlichen Erfahrungen von Susanne und Franz-Bernd Becker wider. Beide Autoren haben auf Sylt und auch in Stuttgart in der Altenpflege gearbeitet. Geheiratet haben sie im Jahr 2002 auf Fehmarn, wo Franz-Bernd Becker ein Seniorenheim geleitet hat, in dem Susanne Becker für die Qualitätssicherung und die Leitung des Pflegedienstes zuständig war.

Bei der gut besuchten Lesung in der Stolberger Stadtbücherei verdeutlichte das Autorenpaar, was seine Heimkrimis ausmacht: „Im Hintergrund der spannenden Handlung der Kriminalromane beleuchten wird die Zustände in Altenpflege und Gesundheitswesen“, so die Beckers. Und sie prangern sie an.

Angestellte überlastet

Während im ersten Buch (siehe Infokasten) noch die aktuelle Situation kritisiert wird, in der die Senioren zu kurz kommen und die Angestellten völlig überlastet sind, spielen der zweite Roman und auch das jüngste Buch in der nahen Zukunft, die von den Autoren allerdings ebenfalls düster gezeichnet wird. Oder noch düsterer. Zumindest hinsichtlich der Pflegesituation: Senioren werden von Computern überwacht und von Robotern „versorgt“, Schwerkranke in technisierten Spezialbetten am Leben erhalten, die Würde der alten Menschen bleibt vollends auf der Strecke.

Im Vordergrund der Bücher steht die Krimi-Handlung, doch die immer wieder gegenwärtige Sozialkritik, ausgeprägte und originelle Charaktere sowie häufig aufblitzender Humor reichern die Romane der Beckers an und machen sie noch lesenswerter.

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