Stolberg: Wenn aus rohen grünen Bohnen Kaffee wird

Stolberg: Wenn aus rohen grünen Bohnen Kaffee wird

Ein Leben ohne Kaffee ist für viele gar nicht vorstellbar. Die lecker duftende Tasse Kaffee am Morgen gehört einfach dazu. So wurden im Jahr 2012 deutschlandweit mehr als 414.000 Tonnen Kaffee verkauft. Dagegen macht sich die Menge, die im Kaffee-Museum in der Stolberger Torburg ausgeschenkt wird, eher gering aus.

Doch dafür ist der Stolberger Kaffee auch etwas Besonderes. Elvira von Wirth, die den historischen Röster hier bedient, schwört auf den feinen Geschmack der Bohne.

In der großen Maschine im Museum werden regelmäßig leckere Kaffeebohnen geröstet. Foto: O. Hansen

Der frisch geröstete Kaffee aus dem Museum der Torburg hat seinen festen Anhängerkreis. Wie werden die Bohnen bearbeitet?

Von Wirth: Wir mischen keine Kaffeebohnen, sondern verwenden ausschließlich Bohnen aus Peru. Zum Rösten der grünen Bohnen verwenden wir einen alten Röster aus dem Jahr 1920, den wir von einer Rösterei aus der Stielsgasse übernommen haben. Über Gaszufuhr wird das Gerät auf 200 Grad erhitzt. Erst dann wird der Rohkaffee in den Trichter gegeben und von dort in die Rösttrommel, die kontinuierlich beheizt wird. Über ein kleines Fenster in der Trommel kann der Röstgrad ständig kontrolliert werden. Der Perukaffee nimmt die Hitze später an, droht aber auch schneller zu verbrennen. Durch langsame Röstung entstehen weniger Säure und Bitterstoffe.

Etwas Erfahrung gehört aber dazu, feine Kaffeebohnen zu erzeugen?

Von Wirth: Das stimmt. Man hört aber auch am Knacken der Bohnen, wie weit sie sind. Und natürlich entfaltet sich ein entsprechender Duft im Raum. Die Kaffeezubereitung ist spannend. Ich liebe das, wenn aus rohen grünen Bohnen Kaffee wird. Die fertigen Bohnen sind wie kleine braune Perlen. Aus zehn Kilogramm Rohkaffee werden dann 8,3 bis 8,5 Kilo Kaffee zum Aufgießen.

Sie verwenden für die Rösterei in der Burg nur fair gehandelten Kaffee aus Peru. Warum gerade Peru?

Von Wirth: Kaffee ist wie Wein - man schmeckt die Herkunft heraus, wenn man die Bohnen aus verschiedenen Anbaugebieten nicht mischt. Kaffee aus Afrika schmeckt anders als Kaffee aus Südamerika. Und die Bohne aus Peru ist besonders fein im Geschmack. Die großen Kaffeeproduzenten mischen bis zu 30 verschiedene Bohnensorten zu einem Kaffee zusammen. Das Problem ist dann, den Geschmack, den die Kunden ja nun gewohnt sind, immer gleich zu halten.

Wie viel Kaffee rösten sie im Museum?

Von Wirth: Wir rösten rund 120 Kilogramm Kaffee im Jahr. Der wird zum Teil für 16 Euro je Kilo verkauft oder samstags und sonntags mit Kuchen im Museum ausgeschenkt.

Und damit wird dann auch die Kaffeesteuer fällig?

Von Wirth: Leider wird auch ein Verein davon nicht befreit. 2,19 Euro Steuern je Kilo sind für Röstkaffee fällig.

Wie viel Kaffee trinken Sie selbst am Tag?

Von Wirth: Ich komme auf drei Viertel Liter Kaffee täglich, die größte Menge trinke ich morgens.

Mit der hochmodernen Maschine aufgebrüht oder als Pad?

Von Wirth: Um Himmels willen, nein! Meinen Kaffee brühe ich nur mit der Filtertüte auf. Und der Kaffee ist dann auch nicht zu fein gemahlen, damit das heiße Wasser die Kaffeestückchen umspülen und das Koffein herausspülen kann. Den Kaffee trinke ich heiß, schwarz und mit Zucker. Ohne Milch!

Und wie ist es mit Tee?

Von Wirth: Ich trinke keinen Tee. Wenn es irgendwo keinen gemahlenen Kaffee gibt, greife ich lieber zu Nescafé. Auch koffeinfreier Kaffee kommt für mich nicht in Frage. Das Koffein muss dem Kaffee mit einem aufwendigen chemischen Verfahren entzogen werden. Das ist völlig sinnlos.

Wie mahle ich meinen Kaffee?

Von Wirth: Am besten mit einer Mühle, die die Bohnen nicht zu fein mahlt. Dann erhalte ich am Ende nur noch Schlamm im Filter. Wir haben im Museum in der Torburg eine alte große Mühle, die den Kaffee grob mahlt. Und noch 160 weitere Ausstellungsstücke übrigens.

Woraus trinkt der Kenner seinen Kaffee? Aus dem beliebten Pott?

Von Wirth: Am besten schmeckt der Kaffee aus einer dünnen Porzellantasse. Die sieht meistens auch besser aus.

Kann ich auch für mich privat eine Röstmaschine anschaffen?

Von Wirth: Die Probat-Maschine aus unserem Museum ist immer noch auf dem Markt erhältlich. Wenn man sich einmal eingearbeitet hat, kann man die Maschine auch relativ einfach bedienen und entsprechend reinigen. Mit Blick auf die Steuer stellt sich dann allerdings die Frage, ob sich die Anschaffung lohnt. Es gibt aber immer noch Kaffee-Fans, die nur selbst gerösteten Kaffee aus dem eigenen Röster trinken.

Wie kann ich den frisch gerösteten Kaffee aus der Maschine in der Torburg testen?

Von Wirth: Am Wochenende ist die Gastronomie in der Torburg geöffnet. Samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Auch an Feiertagen. Außerdem gibt es den bekannten Morgenskaffee zum Kupfermeisterfrühstück.

(oha)
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