Wasserverband erwägt zum Hochwasserschatz Bachbrüstung zu erhöhen

Hochwasser : Mobile Tore für die Brücken der Vicht

Der Wasserverband erwägt zum Hochwasserschutz die Bachbrüstung zu erhöhen. Die Detailplanung und Modellrechnung in der Übersicht.

Wenn das Wasser kommt, sucht es sich schon seinen Weg aus dem gemauerten Trog. An den niedrigsten Punkten wird die Vicht ihr Bachbett verlassen und die Altstadt fluten. Schon bei einem statistisch nur alle 50 Jahre auftretendem Hochwasser geht die Altstadt unter. Bereits bei einem 20-jährlichen Hochwasser rechnet der Wasserverband Eifel-Rur in der Innenstadt mit gravierenden Schäden.

Die lassen sich in Zahlen fassen: Bei einem 50-jährlichen Ereignis rechnet der (WVER) mit Schäden in Höhe von 13,4 Millionen Euro, bei einem 100-jährlichen – dann würde Stolberg von der Finkensiefstraße bis zum Rathaus sowieTeile der Mühle und der Industrie an der Nikolausstraße geflutet – mit 19,7 Millionen Euro, bei einem 200-jährlichen mit 35 und bei einem extremen, also statistisch nicht mehr berechneten, Hochwasser mit 87,6 Millionen Euro.

Diese Zahlen entsprechen dem Stand von 2008. Heute dürften sie höher liegen, und die Hochwassergefahr hat sich weiter verschärft. Erst vor zwei Jahren musste der WVER seine fast fertigen Pläne zum Hochwasserschutz überarbeiten und ausweiten. Aktuelle Wetterdaten machten eine Überarbeitung der hydrologischen Berechnungen erforderlich.

Noch größer als angedacht ausfallen sollen die beiden Rückhaltebecken an der unteren Vicht. Bis dahin hatte der WVER gedacht, ein Becken mit einem Fassungsvolumen von 825.000 Kubikmetern unterhalb von Rott und ein 405.000 Kubikmeter fassendes Becken unterhalb von Mulartshütte würden ausreichend sein. 14 unterschiedliche Varianten mit ungesteuerten Drosseln waren untersucht worden.

Am 9. Juli 2014 fehlte nicht viel zu einem 20-jährlichen Hochwasser und nur eine Handbreite: Dann wäre am Offermann-Platz der Vichtbach aus seinem Bett geflossen. Foto: Jürgen Lange

Doch selbst ein vergrößertes Stauvolumen wird nicht ausreichend sein. „Neben dem Bau der beiden Hochwasserbecken werden auch noch andere, kleinere Maßnahmen in Stolberg selbst erforderlich sein“, kündigt WVER-Sprecher Marcus Seiler gegenüber unserer Zeitung an.

2014 fehlte nur eine Handbreit

Diese „kleineren Maßnahmen“ betreffen auch den Heinrich-Böll-Platz mit seinen drei Brücken und der Zufahrt zum Bachbett, wie der WVER bestätigt. Weitere zwei Brücken liegen in der Burgstraße und am Offermann-Platz. Dort hatte bei dem annährend 20-jährlichen Hochwasser im Juli 2014 die Vicht fast ihr Bett verlassen; es fehlte nur eine Handbreite bis zur Oberkante der niedrigsten Stelle der Bachufermauer.

Um eine solche Gefahr zu vermeiden, erwägt der Wasserverband, solche „Löcher im Wall“ mit mobilen Schutzelementen zu verschließen: „Es können Schienen angebracht werden, in die bei Gefahr durch extremes Hochwasser Metallplatten eingesetzt werden, die die Lücken dann schließen“, erklärt Seiler. Vergleichbares gibt es bereits am Münsterbach in Kornelimünster.

Sichtscheiben in der Mauer

Damit treffen die Sicherheitsmaßnahmen für den Hochwasserschutz die städtischen Planspiele zur Neugestaltung des Heinrich-Böll-Platzes. Um den Vichtbach in Oberstolberg besser erlebbar zu machen, hatten Städteplaner vorgeschlagen, Teile der Bachmauer abzutragen und durch Gitter zu ersetzen.

Entsetzt hatte der WVER das abgelehnt. Denn die Brüstung spielt eine wichtige Rolle im geplanten Schutzkonzept. Die aktuellen Überlegungen „können sogar dazu führen, dass die Mauer einige Zentimeter aufgemauert werden muss“, sagt Seiler.

Mittlerweile hat die Stadt Abstand von den Löchern in der Mauer genommen. Der WVER hatte ihr vorgeschlagen, statt eines Durchbruchs in der Mauer mit Geländer eine entsprechend robuste und wasserdicht verbaute Glasscheibe einzusetzen. Die würde ebenfalls die Sicht auf den Vichtbach freigeben, jedoch den Hochwasserschutz nicht schmälern. Weil das in erster Linie schön fürs Auge, aber nicht zwingend für den Hochwasserschutz sein würde, „kann der WVER die Finanzierung solcher Maßnahmen nicht übernehmen“; erklärt Seiler. Immerhin bezifferte jüngst das von der Stadt beauftragte Planungsbüro im Ausschuss für Stadtentwicklung die Mehrkosten für die „Scheiben-Lösung“ mit 25.000 Euro.

Möglicherweise kann der WVER der Kupferstadt entgegenkommen. „Momentan läuft die Detailplanung der Becken und anschließend wird mit dem aktuellen Modell eine Überrechnung der Vicht für ein 100-jährliches Hochwasser vorgenommen“, do der WVER-Sprecher weiter, „so dass wir die Randbedingungen für die lokalen Hochwasserschutzmaßnahmen in Stolberg selbst erhalten“.

WVER kommt Stadt entgegen

Sollte die Bachbrüstung aufgemauert werden müssen, und sollte sich die Stadt für Glasscheiben entscheiden, dann könnte der WVER bei den Mauerarbeiten auch die Scheiben einsetzen. „Die Synergieeffekte würden zur Senkung der Kosten beitragen“, sagt Seiler. Allerdings müsste die Stadt dann zumindest diesen Teil ihrer Verschönerungsmaßnahmen um einige Zeit verschieben.

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